Allgäu und der Rest der Welt

Nach Marokko


Mit dem Motorrad nach Marokko.


Nachdem ich schon mit und ohne Ski auf den Gipfeln des Hohen Atlas war reizte mich die Fahrt mit dem Motorrad durch dieses interessante Land.


2004 fuhren wir also zu viert, Bruno (hier findet Ihr Bruno's homepage mit schönen Bildern), Hartmut , Helge und ich und alle natürlich auf BMW GS in Richtung Nordafrika. Über Südfrankreich, wo wir noch eine Woche Kurven genossen durch Spanien nach Almeria und schließlich mit der Fähre nach Melilla.





Angefangen hat es eigentlich in Südfrankreich. Wir waren ausnahmsweise mal nicht nach Italien gefahren, sondern eben nach Südfrankreich und was lag da näher als gleich nach Marokko weiter zu fahren ?
So war die Idee entstanden. Nachdem wir uns 1 Woche lang in Südfrankreich ausgetobt hatten noch ein letztes Bild...



Sandra wäre gerne mitgefahren, aber mit ihrem signalgelben Suzukilein wäre sie bestimmt einem marokkanischen Wüstenlöwe zum Opfer gefallen, also blieb sie lieber hinter den Pyrenäen !




Nachdem wir mit Müh und Not noch die Fähre in Almeria erreicht hatten, nicht abgesoffen waren und schließlich auch den arroganten Zöllner überwunden hatten fuhren wir zügig Richtung Süden und über das Rifgebirge.



Die erste Etappe war knapp 250 km ohne Tankstelle und teilweise Naturstraße.



Dummerweise hatte es die letzten Tage ungewöhnlich viel geregnet und der Eseltreiber wunderte sich wohl, als einer mit einer Kuh vor ihm zu Boden ging.

Bis wir umgedreht hatten, war es aber für ein Bild zu spät, die Kuh stand schon wieder - wie es sich gehört.




Aber das war schließlich nur der Anfang...






nicht nur, daß nicht alle im Sattel blieben, auch der Tourance war hier natürlich überfordert, der Conti TKC wäre hier die richtige Wahl gewesen, aber der ungwöhnlich starke REgen hatte uns da einen Strich durch die Rechnung gemacht. Er zwang uns irgendwann dann zur Umkehr, es ging nichts mehr. Das ganze zurück war aber auch keine verlockende Vorstellung.


Die lehmige Erde wurde zwischen Reifen und Kotflügel bald steinhart und irgendwann blockierte mein Vorderrad. Das ist allerdings eine Fehlkonstruktion an der der GS, die Folge ist Handarbeit ...




Nachdem der Lehm mühsam herausgepopelt war gings zurück nach Guercif. Natürlich war es zwischenzeitlich kuhnacht  (Anm: auf hochdeutsch stockdunkel) und der Sprit reichte gerade noch.

Ein Ort der selten einen Touristen sieht und trotzdem fanden wir ein allerdings sehr authentisches "Hotel".  Nachdem Hartmut seine Koffer unter die Dusche gestellt hatte, verteilte sich das Wasser gleichmäßig im Raum, weil es keinen Weg mehr durch den Abfluss fand, aber auf dem Flur gab es noch eine Dusche im Klo, man konnte praktisch "all in one" erledigen.


Morgens wurde ein genauso authentisches Frühstück eingenommen und einige suchten noch den Dampfstrahler einer Tankstelle auf, was natürlich grundsätzlich abzulehnen ist.

  

 

Dafür hatte unterwegs ein Schuhputzer seine Freude an uns, er konnte vom Schuh bis zum oberen Ende der Lederklamotten gleich alles in einem Arbeitsgang erledigen.



Am nächsten Tag gings weiter Richtung Süden




natürlich mit ein paar Abstechern...





Bald holte uns aber der Regen wieder ein und hier hatte er die Straße überschwemmt. Nur größere Autos fuhren durch die starke Strömung, aber schließlich mussten wir ja weiter und die BMW's triebs zwar seitlich ab, aber niemand stürzte. Die Folgen wollte ich mir allerdings nicht vorstellen, wahrscheinlich hätte es Motorrad samt Fahrer einfach weggeschwemmt.



Wir wollten heute auf jeden Fall bis Erfoud kommen, wo wir ja schon gestern hätten sein sollen. Auch hier aber leider Marokko - untypisch schlechtes Wetter.

So fuhren wir am nächsten Tag eben mit dem Landrover zum Erg Chebbi.




... und der blieb prompt im nassen Sand stecken.

Trotzdem, man muss einfach hier gewesen sein:










Das Wetter hatte sich offenbar ausgetobt, die nächsten Tage waren schön, aber die Flüsse hatten gefährliches Hochwasser.



Wir wollten der Straße der Kasbahs bis Tinerhir folgen und dann über die Todra und Dades Schlucht nach Ouarzazate weiterfahren.



Immer wieder faszniert die Weite im Süden Marokkos




Wir fassten nochmals Sprit, der sich allerdings als fürchterliches Klingelwasser herausstellte



mussten aber am Ende der Todra Schlucht wieder umkehren,



die Straße war im oberen Dades Tal vom durch die starken Regenfälle angeschwollenen Dades weggerissen worden.

Wir bewunderten noch die vielen Kasbahs im Dades Tal

und fuhren anschließend weiter bis Ouarzazate wo wir erst nachts bei Dunkelheit ankamen, kein Vergnügen in Marokko, da Mopeds, Fuhrwerke, Esel, Hunde und alles mögliche sich selbstverständlich unbeleuchtet auf der Straße tummelt.
Wir übernachteten im La Gazelle, wo ich schon früher übernachtet hatte, aber es ist keine Empfehlung mehr wert


und am nächsten Morgen gings weiter nach Süden bis Zagora durchs wunderschöne Draa Tal. Die gut 60 Jahre alte Kasbah Taouirt, wo der Film "Himmel über der Wüste" gedreht wurde.
Kasbahs bestehen ausschließlich aus Lehm. Die Geschossdecken werden mit Palmästen und Stämmen verstärkt und schwingen beim Begehen manchmal bedenklich. Die größten Kasbahs haben bis zu 11 Stockwerke.


53 Tage nach Timbouctou mit dem Wüstenschiff, Straßen hören hier auf.

Ich hatte  mir leider den Magen verdorben und Mühe überhaupt zu fahren. In Zagora lag ich nur im Hotel und aß löffelweise irgendein Gewürz auf Empfehlung unseres Hoteliers.

Wir überquerten am nächsten Tag den Hohen Atlas auf dem Tizi-n-Tichka

und landeten abends in Marrakech. Daß ich mal mit dem Motorrad auf dem Djamaa el-Fna (Platz der Geköpften) mitten in Marrakech stehen würde, hätte ich nicht zu träumen gewagt. Das war einfach genial !



Köpfe werden heute hier nicht mehr aufgespießt, jedenfalls keine menschlichen,


aber abends wird hier marokkanisch geschlemmt,
 

was dann durchaus nicht jedermanns (westlichen) Geschmack trifft (Achtung: empfindliche Betrachter sollten hier nicht klicken !)




Auch das innere des Kopfes wird keineswegs verschmäht und das Auge des erdolchten Hammels gilt auch hier als Delikatesse !


Hartmut, Helge und Bruno (von links) hat's jedenfalls geschmeckt. Ich hatte wegen meines gerade wieder genesenen Magens meinen Fastentag genommen weil ich befürchten mußte, daß mein Magen bei dieser Küche einen Rückfall erleiden würde.
Am nächsten Tag sieht es am Platz der Geköpften wieder viel freundlicher aus und man kann sich beim fotografieren austoben, nur sollte man mit dem Objekt seiner (fotografischen) Begierde den Preis tunlichst vorher aushandeln. Aber das hat man schnell gelernt.


Wasserverkäufer verkaufen hier kein Wasser mehr, sie lassen sich für 2 DH fotografieren


Auch die Schlange läßt sich sich nur gegen Bares beschwören


Für diesen ambulanten Eingriff habe ich allerdings kein Geld fließen sehen, aber das Opfer ist ja auch kein Tourist.


Eiertransport für Salmonellenresistene


Hier drohen solche Gefahren nicht und jeder findet etwas nach seinem Geschmack.

Noch unzählige Bilder von Marrakech könnte ich hier anhängen, aber sie sind alle nicht in der Lage das Leben in dieser bunten, freundlichen und lebendigen Stadt auch nur annähernd auszudrücken. Marrakech muss man einfach erlebt haben. Man muss sich bei Tag und vor allem am Abend durch Gassen  und Bazare der Stadt gewühlt haben und die unverwechselbare Atmosphäre Marrakechs auf sich wirken lassen, es ist einmalig.

Wir wären gerne länger geblieben, aber Marrakech war unsere letzte Station.  Danach fuhren wir auf ziemlich direktem Weg und bei unangenehm großer Hitze nach der spanischen Enklabe Melilla.
Nur einen Abstecher über die Ouzoud Wasserfälle machen wir noch, denn was man hier sieht, würde man in Marokko nicht suchen.



Marokko hat sich mir wieder einmal von einer freundlichen und sympatischen Seite gezeigt



wir haben glücklicherweise mit allen vier BMW's keine Werkstatt



gebraucht (was wir auch anders nicht erwartet hatten) und haben nach vielen mühsamen Kilometern durch Spanien, Frankreich und die Schweiz ...

... wo man uns erst mal die Straße frei fräsen musste  ...

wieder Deutschland erreicht.