Allgäu und der Rest der Welt


Iran 2009


Vielen Dank  an die zahlreichen Besucher unseres Vortrags, an beiden Tagen war das Leutkircher Kino randvoll!
Das hat uns sehr gefreut und mir hat der Vortrag viel Spaß gemacht.





Nach langen Planungen und einigem bürokratischem Aufwand war es am 15.Mai endlich soweit. Wir - Lothar, Bruno und ich - starteten mit zwei R 1100 GS und einer Yamaha Super Teneré in Richtung Ancona.


In Ancona stiegen wir in die Fähre Richtung Cesme bei Izmir in der Türkei, wo wir am Dienstmorgen planmäßig eintrudelten. Nachdem die Herren vom Zoll sich bequemt hatten starteten wir über Izmir in Richtung Konya. Da hoffte ich noch, am Donnerstagabend im Iran zu sein. Die Türkei zeigte sich aber äußerst widerspenstig. Regen und Sturm wechselten sich ab und machten gemeinsame Sache. Wir kamen nicht mal bis in die Stadt der Derwischorden, fuhren am nächsten Tag über das verregnete Göreme, wo wir tieffliegenden  Kartons ausweichen und den Sand vom Visier wischen mussten. Schließlich drehten wir vor einem entgegenkommenden Sturm wieder um und flüchteten in das letzte Dorf in ein nicht erstklassiges Hotel.




Der nächste Tag begann wie der letzte aufgehört hatte. Als ich mal wieder im 5. Gang gemütlich mit 100 km/h über die verregnete und großzügig bituminierte Straße bummelte kam die GS unvermittelt heftig ins Schleudern und eigentlich lag ich schon so gut wie auf der Straße. Offensichtlich hatte sie bei der minimalen Steigung einfach die Haftung verloren. Wir mühten uns also noch vorsichtiger bis zum Vansee und fuhren trotz Kälte und Dunkelheit ins trostlose Dogubayazit. Das Hotel war bestimmt eines der besten gewesen, allerdings war das schon länger her, aber es hatte einen abgeschlossenen Innenhof.




Der 5165 m hohe Ararat zeigte sich uns erst auf der Heimfahrt mit Haube.


Am Freitag schließlich standen wir an der türkisch - iranischen Grenze, ohne daß sich zuvor der Ararat gezeigt hätte und begaben uns in die Hände eines Schleppers, der uns zwar beim Geldwechsel das Fell über die Ohren zog , aber uns flott durch die türkische Grenze lotste. Schließlich öffnete sich das große vergitterte Tor und der freundliche iranische Grenzer begrüßte uns per Handschlag mit "Welcome in Iran". Das sollten wir noch oft hören.


Außer der Polizei und dem Zoll wurden wir auch einem Arzt vorgeführt, der vermutlich nach allerlei Krankkeiten fragte. Er war mit allen unseren Neins offenbar zufrieden und schrieb säuberlich alles in ein dickes Buch.

Nach gut 2 Stunden hatten wir die Grenze schließlich "überwunden" und wurden  in die iranische Freiheit entlassen.


Mit ein paar hunderttausend Rial in der Tasche sollte einem die iranische Welt eigentlich zu Füßen liegen. Viertausend Rial kostet ein Liter Klingelwasser, gut verbleit und niederoktanig leiden die Boxer bei niedrigen Drehzahlen. Zu dritt den Magen gefüllt, praktisch all inclusive schlägt mit ca. weiteren 150.000 Rial zu Buche. Jeder hat ein Bündel Scheine in der Tasche, denn 12.000 Rial sind gerade mal ein Euro!




Auf Bier muss man auch im Iran nicht verzichten, aber auf den Alkohol darin und schmecken tuts wie Malz-Zitrone-irgendwas.


Mit dem Essen ist es allerdings so eine Sache, wer streng vegetarisch leben will hat die Auswahl zwischen dem dünnen Fladenbrot mit oder ohne Reis. Für alle anderen besteht die Auswahl in Spieß vom Schaf, Rind oder dem Huhn und dazu kommt selbstverständlich der vegetarische Anteil s.o.

Wer mehr Auswahl haben möchte sollte sich privat einladen lassen oder eines der wenigen Restaurants mit großer Karte aussuchen.




Dieser freundliche Iraner hat jedenfalls gerade unser Mittagessen zubereitet.

Empfindliche Naturen sollten das Bild überspringen!

Nur wer hier klickt sieht ihn bei seiner Arbeit, auf die er sichtlich stolz war und was hier alltäglich ist.


Jeder Halt, egal ob an der Tankstelle oder wo auch immer führte meist zu einem kleinen Menschenauflauf, in Sanandaj stockte da schon mal der Verkehr als eine Traube von Jugendlichen mit ihren Mopeds uns an der Straße belagerten.



An einer Tankstelle im kurdischen Teil des Iran. Jeder möchte gern auf's Bild.

Die Kurden gehören wie die Baluchen zur sunnitischen Minderheit im  schiitischen Iran. Sie erhofften sich von der Revolution eine Besserstellung. Ihre Bestrebungen wurden aber blutig niedergeschlagen.


Von der Grenze bei Bazargan fahren wir über Kandovan und teilweise unweit der irakischen Grenze durch die kurdischen Provinzen in Richtung Süden mit Ziel Shiraz.




Kandovan ist ein Bergdorf mit 1000 Einwohnern unweit der Millionenstadt Tabriz in der Provinz Ost-Aserbeidschan. Ähnlich wie im türkischen Göreme wohnen die Menschen auch heute noch wie vor ein paar hundert Jahren in den in weichen Sandstein gehauenen Felsenwohnungen.

Abends auf einem Divan sitzend machen wir die erste Erfahrung mit der iranischen Bevölkerung. Während wir auf's Essen warten werden wir von jungen und alten Iranern und Iranerinnen umlagert, die mit uns sprechen wollen. Ein paar englische Worte wechseln hin und her, jeder freut sich über uns Touristen, wie wir das noch nirgends erlebt haben. Handys werden an unser Ohr oder in die Hand gedrückt um mit irgend jemandem englisch sprechenden am Ende der Leitung zu sprechen. Unzählige Fotohandys digitalisieren uns und noch nie waren wir so gefragt, es ist wie ein Bad in der Menge. Der obligate Schafspieß war schließlich kalt, aber so viele Freundlichkeit hat uns sehr beeindruckt und sollte sich auf der ganzen Reise fortsetzen.





Wer sollte hier nicht beeindruckt sein ?


Über Sanandaj und Kermanshah führte uns die Reise nach Khorramabad, der Provinzhauptstadt von Lorestan mit Bergen bis 4000 m Höhe. Hier herrschten bis 1600 die Fürsten von Loren, bis Schah Abbas den letzen von ihnen köpfte.





Daran dachten wir natürlich nicht, als wir den freundlichen Metzger besuchten. Aber überhaupt war der Bazar in Khorramabad allein die Reise wert.








Auf der Schwarzen Festung, einer Burg die früher der Stadt ihren Namen

Dez-e Siah gab und als uneinnehmbar galt präsentieren sich die beiden Jungs in ihren kurdischen Pumphosen.

Bei diesem Foto rutsche ich leider von einer Stufe und ziehe mir eine klaffende Wunde zu, die gleich furchtbar blutet und mir die nächsten Wochen Probleme bereitet.


Von Khorramabad fahren wir weiter nach Süden in die Provinz Khuzestan und in eine der heißesten Städte des Iran unweit des Persischen Golfs und gerade mal 100 km vom irakischen Basra entfernt. Wir sind in der Verlängerung des Tieflands von Euphrat und Tigris und die Temperaturen steigen hier oft bis an die 50° Marke. Das ist auf dem Motorrad kaum auszuhalten. Und wie jeden Tag hält uns natürlich die Polizei an, nachdem wir sie überholt haben. Wie wir schon wissen ist das reine Neugier, meist werden nur ein paar freundliche Worte gewechselt und die Hand geschüttelt. Wir stehen aber in Helm und ohne Schatten. Der freundliche Polizist greift an sein offenes kurzes Hemd und meint, dass es heute warm sei. In meiner Lederkombi sind Temperaturen die mich an einen Wasserkocher erinnern und der Fahrtwind erinnert an einen Föhn in Maximalstufe. Es gibt keine Abühlung mehr und wir können nur Wasser trinken um uns zu kühlen. In der Riesenstadt Ahvaz suchen wir schließlich eine Stunde ein Hotel und wir parken die Motorräder im Hof und legen uns erst mal ins klimatisierte Zimmer. Die Hitze hat mich völlig geschafft wie ich es noch nicht erlebt habe.

Wir fahren am nächsten Morgen schon um 05.00 Uhr ab um der Hitze zu entgehen, um diese Zeit zeigt das Thermometer schon fast 30 ° !


Das ist schon eine angenehme Temperatur und so genießen wir, ausgerüstet mit genügend Wasserflaschen



die Begegnungen am Straßenrand.




Wiederholt werden wir freundlich darauf hingewiesen, daß wir - die Iraner und die Deutschen - ja herkunftsverwandt seien, wir seien ja beide Arier. Die Iraner freuen sich dabei und bringen immer wieder zum Ausdruck, daß gerade die Deutschen im Iran sehr beliebt seien.

Die altiranische Form des Namens Iran bedeutet "Land der Arier".



Die unangenehme Seite folgt auf dem Fusse. Lothars Vorderreifen verliert plötzlich Luft. Nach einem Überholmanöver bringt er seine Tenere gerade noch ohne Sturz im Steinacker links der Straße zum Stehen. Das hätte ins Auge gehen können. Als Ursache machen wir eine innen korrodierte Felge aus, die den Schlauch perforiert hat. Glücklicherweise hat Bruno eine Feile dabei. Als alter Guzzi Fahrer hat er Erfahrung. 




Immerhin findet sich ein kleiner Baum, der als Schattenspender bei knapp 40° taugt, der Schlauch ist schnell gewechselt.




Diese Runde geht auf Lothar.


Im nächsten Dorf setzen wir uns erst mal direkt hinter die Klimamaschine, die uns Kühlschranktemperaturen entgegen bläst und kippen jede Menge Cola in uns hinein. Irgendwann sind wir abgekühlt und können weiterfahren.

Nachdem wir auch heute wieder allen Laser-Geschwindigkeitskontrollen oder zumindest den Anhalteversuchen der iranischen Polizei entgangen sind erreichen wir mit einem Tag Verspätung und nach rund 6000 km Fahrt unseren südlichesten Punkt, die Hauptstadt der Provinz Fars, die Millionenstadt Shiraz.

Shar-e gol o bolbol - die Stadt der Blumen und der Nachtigallen liegt eingebettet zwischen den über 4000 m hohen Kuhrud- und Zagrosbergen in einer Höhe von rund 1500 m. Dadurch sind auch die Temperaturen von 40° erträglich.

Die Provinz Fars war schon vor 3000 Jahren das Kernland des Perserreichs.




Persepolis, der Name stammt aus dem Griechischen und bedeutet "Stadt der Perser". Sie war die Hauptstadt des antiken Perserreichs und liegt rund 60 km nördlich von Shiraz.

Darius der Große wollte um 515 v.Chr. damit die Macht und Größe des Achämenidenreichs zum Ausdruck bringen. Nach der Besetzung durch Alexander den Großen im Jahr 332 v.Chr. ging es in Flammen auf.




In Shiraz besuchen wir natürlich auch SamiraZarei von Pars Tourist Agency. Sie spricht im kleinen, aber multilingualen Shirazer Büro perfekt deutsch und organisiert auch kurzfristig und flexibel alles was möglich ist.



Im architektonisch reizvollen Bazar-e Vakil, ebenfalls aus der Zeit Karim Khans.


Früher wurde um Shiraz viel Wein angebaut, bis dies seit der Revolution verboten wurde. Die Shiraz Traube wird heute vor allem in Australien und Südafrika gezogen.

 


Die alte Stadtfestung Arg-e Karim Khan aus der Zand Zeit.

Nach der Belagerung durch die Afghanen 1729 gelangte Shiraz zu neuer Blüte. Karim Khan Zand machte in seiner kurzen Dynastie von 1750-1794 Shiraz zur Hauptstadt des Iran. Zahlreiche Bauten entstanden und die Prachtstraße Bolvar-e Karim Khane Zand, kurz Zand-Straße trägt heute noch seinen Namen, während viele der schönen Straßennamen im ganzen Iran heute die Namen der schiitischen Märtyrer der Revolution tragen dürfen.




Im ebenfalls aus der Karim Khan Zeit stammendem Hammam-e Vakil sitzen auch die Iraner gerne unter dem kühlenden Dach.



Keilschriftenfunde in Persepolis belegen die Besiedlung um Shiraz schon zur Achämenidenzeit (559 - 330 v.Chr.)


Nach soviel Kultur, einem Hotel mit allem Luxus in Shiraz verlassen wir wieder einmal morgens um halb sechs die noch ruhige und kühle Stadt. Wir wollen die Kühle des Morgens nutzen um in die Wüstenstadt Yazd zu kommen. Und tatsächlich ist uns tatsächlich erst mal ziemlich kalt auf dem Motorrad.




Das ändert sich allerdings viel zu schnell. Nach Sonnenaufgang fahren wir durch die Wüste und über das Shir-Kuh Gebirgsmassiv mit über 4000 m hohen Bergen in Richtung der am Rand der Kavir Wüste gelegenen Stadt Yazd.




Damit geht unsere Reise in den 2. Teil, das heißt eigentlich auch schon wieder nach Hause. Wir sind jetzt 13 Tage unterwegs und haben rund 6000 km hinter uns gebracht. Es geht jetzt wieder nach Norden.


Unterwegs grabe ich meine wohlbehütete Toblerone aus, die ihre Form allerdings hitzebedingt offenbar mehrfach verändert hat und schütte wie immer viel Wasser in mich hinein.  

Zur besten Tageshitze kommen wir in Yazd an, aber zwischenzeitlich haben wir Erfahrung und nach einer halben Stunde das Hotel in einem Hinterhof ausgemacht. Wenden geht hier allerdings noch nicht mal mit den Motorrädern. Wir laden ab und werden anschließend durch ein Gassenlabyrinth in einen Innenhof gelotst, wo wir die Motorräder abstellen können. Dann gehts zu Fuß zurück, wir sind natürlich längst schweißgebadet und stellen uns erst mal unter die Dusche.




Wir genießen das bewährte "Bavarian Beer" (wir haben unsere Ansprüche angepaßt) auf dem Diwan betrachten Yazd anschließend noch ein bisschen vom Hoteldach:



Yazd in der gleichnamigen Provinz gehört zu den ältesten Städten des Iran. Schon Marco Polo berichtete über die Seidenproduktion, für die Yazd berühmt ist. Einst Hochburg der Zarathustrier leben auch heute noch viele Anhänger Zarathustras in Yazd und ihr Tempel kann besichtigt werden.



Bekannt ist Yazd aber auch für seine Windtürme die überall über die Dächer der Alstadt ragen und nicht nur den Wind einfangen (persisch: Bägdir=Windfänger), sondern durch den Kamineffekt auch warme Luft nach oben ausleiten. Ihr Alter ist nicht genau bekannt, heute werden sie zunehmend von den allgegenwärtigen Klimaanlagen verdrängt.



Zu einem Tee kann man durchaus eingeladen werden, Kühle genießt man in einem unter der Erde gelegenen Gewölbekeller:



Den Naql, ein riesiges Holzgestell finden wir an mehreren Orten. Er wird von vielen Männern zur Erinnerung an die Leiden des Imam Hossein anlässlich der jährlichen Trauerfeiern getragen.




Bei diesem Anblick erinnerte ich mich an die Frage des Zöllners bei der iranischen Einreise, ob meine Sitzbank für drei gut wäre. So gesehen könnte ich bedenkenlos mindestens 6 Personen befördern. Babys werden dabei übrigens einfach noch im Arm gehalten.



Auch bei der Konstruktion sind die Iraner findig. Das ausgediente Moped wird einfach rechts angeschraubt.




Die Polizei interessiert sich für so was nicht. Dafür kontrollieren sie uns gerne und aus reiner Neugier, aber immer freundlich. Da im Iran keine Motorräder über 200 ccm erlaubt sind ist die wichtigste Frage immer die nach dem Hubraum. Nur einmal wird uns zu hohe Geschwindigkeit vorgeworfen. An irgend einer der zahlreichen Laserkontrollen sollen wir 130 gefahren sein, was definitiv nicht stimmte. So wie dort gemessen wird, darf das aber nicht wundern. Es kommt zu einer kurzen Diskussion mit einem weiteren autofahrenden Delinquenten und danach dürfen wir weiterfahren, schließlich sind wir deutsche Touristen und die sind hier sehr beliebt, da nimmt man kein Geld.  Das funktioniert leider nur im Iran so.




Wir verlassen die Wüstenstadt Yazd und seine freundlichen Bewohner, obwohl es hier noch viel zu sehen gäbe aber jetzt liegen 6000 km Richtung Heimat vor uns die noch einiges zu bieten haben werden.




Wieder starten wir früh morgens um der Hitze der Wüste zu entkommen. Im freundlichen Silk Road Hotel hat man uns sogar ein Frühstückspaket hergerichtet, schließlich schläft noch alles. Nur gut 350 km zwischen Wüste und den über 4000 m aus ihr herausragenden Gipfeln haben wir bis zu unserem heutigen Ziel vor uns.



Und auch wenn wir heute keine Kamele vor die Kuh bekommen, bei den überwiegend guten iranischen Straßen können wir einem Abstecher trotz Hitze nicht wiederstehen.




Und dann erreichen wir dieses Traumbild einer orientalischen Stadt, Isfahan.


Darüber schrieb 1904 der französische Schriftsteller Pierre Loti in seinem Buch

"Nach Isfahan ":


"Und dann, wie im Theater,

wenn der Vorhang aufgeht,

treten zwei öde Hügel auseinander;

und dahinter enthüllt sich langsam der Garten Eden"


So ungefähr fühlt man sich, kommt man durch die Gassen und Hallen des Bazars auf den Platz Meydan-e Imam. Den mit etwa neun Hektar zu den größten Plätzen der Welt zählenden früheren Königsplatz ließ Schah Abbas I. zwischen 1590 und 1595 als "Entwurf der Welt" anlegen.




Er ist das historische Zentrum der Stadt Isfahan, die zurecht als eine der schönsten Städte der Erde gilt.



Beeindruckend schön, wir gehen kreuz und quer über den Platz, schlendern durch den Bazar und bewundern die Moscheen.






Die Millionenstadt Isfahan war unter mehreren Dynastien Persiens Hauptstadt. 

Ihre Lebensader ist seit Jahrtausenden der größte Fluß Irans, der Zayandeh Rud (persisch: der lebensspendende Fluss), der im Zagros Gebirge entspringt und wie in diesem Dürrejahr im Herbst manchmal ganz versiegt.




In vielen Büchern kann man liebevolle Erzählungen über den Zayandeh Rud mit seinen berühmten und kunstvollen Brücken lesen, die im Sommer vom Wasser durchspült als Ort der Kühle aufgesucht werden. Eine Iranerin schilderte mir unter einem der äußeren Brückenbögen in malerischen Worten die Schönheit dieses Platz in ihrer Jugend noch vor der Revolution.


Natürlich muss man den gedeckten Basar auf sich wirken lassen, der mit seiner ursprünglichen orientalischen und nicht touristisch (davon gibt es derzeit im Iran einfach zu wenige) geprägten Ausstrahlung um den Meydan-e Imam Platz gruppiert ist.



Durchaus nicht untypisches Bild im gedeckten Basar.


Und auch hier halten Autos Einzug. Auch wenns nicht so aussieht, dieser alte Peykan kam schließlich irgendwie tatsächlich um's Eck.




Der alte und neue Präsident des Iran, Mahmoud Ahmadinedschad ist auch im Basar allgegenwärtig:



Egal ob Stadt, Plätze, Moscheen oder die Bazare, für Fotografen ist das ein Fest und unerschöpfliche Quelle schöner Fotos.



Isfahan ist schon allein eine Iranreise wert. Besuchen sollte man das schönste Hotel des Iran, das Hotel Abbasi. In mehreren offenen Restaurants, Tee- und Kaffeehäusern sitzt man zwischen den typischen gepflegten Gärten im fußballplatzgroßen Innenhof, wird von vielen dienstbaren Geistern im Livree freundlich bedient und kann sich ein bisschen das Flair vergangener Zeiten Persiens vorstellen. Auch der letzte Schah war natürlich immer hier abgestiegen.

Leider haben wir weniger Zeit als wir gerne hätten und so fahren wir wieder einmal früh morgens in Richtung Norden, entlang der Kavir Wüste ins Alborz Gebirge.



Das Alborz Gebirge trennt Wüste und Kaspisches Meer. Die Kavir Wüste reicht bis vor die Tore Teherans und sorgt für hohe Temperaturen, die uns auch heute begleiten. Gleich hinter Teheran liegt auch der höchste Berg des Iran, der Kuh-e Damavand.




Teheran wollen wir auf kleinen Straßen umfahren, dabei kommt die RKH Straßenkarte an ihre Grenzen. Wir fahren wo keine Straßen mehr eingezeichnet sind, aber der Verkehrsinfarkt Teheran bleibt uns erspart. Dafür säumen verfallene Lehmdörfer die schmale Straße und sobald wir stehen bleiben haben wir Gesellschaft.


Nach einigen Irrungen, Suche und vielen Fragen erreichen wir schließlich 30 km östlich von Teheran den kleinen Ort Damavand. Hier soll es eine Übernachtungsgelegenheit geben, Hotels oder Gasthöfe gibt es zwar nicht, aber freundliche Einheimische.




Irgendwie finden wir ein Zimmer in einem Restaurant, die Motorräder bleiben auf der Straße, wir machen mit den Kameras bewaffnet noch einen Stadtrundgang und sind schnell überall bekannt.

Abends werden wir von einer Abordnung des Ostiranischen Motorradclubs eingeladen. Die Guzzifahrerin und GS - Anhängerin ("die (BMW) GS ist das Beste Motorrad der Welt") spricht perfekt englisch. Wir werden in ein traditionelles persisches Teehaus eingeladen.  Der Club hat nur wenige Mitglieder, schließlich sind im Iran Motorräder über 200 ccm nicht erlaubt. Der Chef (2. von links) fährt allerdings eine Gold Wing, dank guter Beziehungen, wahrscheinlich die einzige im Iran. Die deutsche und iranische Flagge steht auf dem Teppich und die Wasserpfeife macht die Runde, wieder wird uns deutlich wie willkommen wir bei den Menschen in diesem Land sind.




Am nächsten Morgen wollen wir endlich den höchsten Gipfel des Iran, den Kuh-e-Damavand sehen. Es geht durch Täler und über Pässe des Alborzgebirges. Irgendwo versperrt eine Kamelherde die Straße und wir nutzen die Gelegenheit wieder einmal zu ein paar Fotos. 







Wir sind hier in im zentralen Alborz Gebirge, der Provinz Mazanderan. Aufgrund seiner Unzugänglichkeit war es die letzte Provinz Persiens, die islamisiert wurde.


Es geht nochmals über einen Pass, auf dem die beiden Bäcke stolz ihr Fladenbrot präsentieren:



und schließlich steht er vor uns, der höchste Berg des Iran, der Kuh-e Damavand mit seinen 5671 m, ein erloschener Vulkan, er ist noch schneebedeckt.




Um auf den Gipfel zu kommen muss man von Polur am Fuß des Berges mit Geländewagen zum Ausgangspunkt Gusfandsara in gut 3000 m Höhe hochfahren und steigt dann üblicherweise in 2 Tagen zum Gipfel. Ich hatte meine "kleine" Bergausrüstung in die Touratechkoffer gepackt und gehofft, den Gipfel "mitnehmen" zu können, mußte meine Hoffnung aber mit meinem verletzten Schienbein und angesichts der Schneelage begraben. So blieb neben dem majestätischen Anblick auch die Hoffnung auf eine Rückkehr hierher für mich übrig.


Wir machen einen Abstecher zum Laar National Park, hier leben neben Wölfen und Braunbären auch noch Leoparden, aber ein Uniformierter läßt uns an einem Schlagbaum ohne Erklärung nicht passieren, da müssen wir uns mit Schafherden und den sympathischen kurdischen Hirten begnügen.








Eigentlich liegt das Kaspische Meer gleich hinter dem Alborzgebirge, aber dazwischen liegen noch ein paar Pässe und ein paar Täler. Da wollen wir an diesem Tag noch drüber und entscheiden uns für die lange Variante, obwohl das Wetter hier nicht sehr stabil aussieht.




Und nachdem wir vor ein paar Tagen noch bei knapp 50 Grad im Schatten von der Hitze erschlagen worden sind begegnen wir hier auf dem über 3000 m hohen Pass noch jetzt im September den Resten des Winters.




Die nächsten 200 km bis zur Küste werden kein Vergnügen,



aber am Kaspischen Meer ist wieder eitel Sonnenschein und bei der Suche nach einem Hotel werden wir innerhalb weniger Minuten gleich zweimal von der eifrigen Polizei kontrolliert. Danach als Gegenleistung aber zum Hotel eskortiert und noch zur Rezeption begleitet.

Am nächsten Tag fahren wir die kaspische Küste entlang, das Meer lädt nur Hartgesottene zum Baden ein, aber die Iraner stellen sich gern vor unsere Motorräder für ein Foto.



Vom Kaspischen Meer sind wir eher enttäsucht, meist führt die Straße weit vom Meer entfernt vorbei und gibt nur selten einen Blick darauf frei. Dafür reihen sich viele großen Städte aneinander und der Verkehr ist hier wieder einmal kein Vergnügen.

Dann kommen uns das einzige Mal im Iran "richtige" Motorräder, also solche mit über 200 ccm entgegen. Kurz darauf überholen uns die drei wieder und wir halten an. 

Es ist Hans, der gerade mal 40 km von Leutkirch entfernt wohnt und mit seinen beiden Freunden über Armenien in den Iran eingereist ist und gerade in Richtung Teheran fährt.


Wir wußten beide von unseren Plänen, daß wir uns hier aber zufällig treffen würden, damit hatte natürlich keiner gerechnet.

Zur Feier des Tages gabs wie immer Spieß, diesmal allerdings nicht ganz durch, was noch Konsequenzen haben sollte.




Wir fahren an der Küste entlang bis zur azerbeidschanischen Grenze bei Astara und biegen hier links ab um zurück in die Türkei zu kommen. Reisfelder dominieren das Landschaftsbild.




Heute genießen wir noch den Luxus dieser Nobelherberge mit großem typisch persischem Garten, in dem auch gefrühstückt wird.



Nachdem wir dem Hotelmanager, der bestes englisch spricht unsere Preisvorstellungen genannt haben macht er uns einen "special price for special guests", der unserem Budget entgegenkommt. Schließlich gibt es im Iran keine Möglichkeit an Bargeld zu kommen, man muss das gesamte Geld mitnehmen, Kredit- oder EC-Karten werden -außer in wenigen großen internationalen Hotels -  nirgends akzeptiert.




Im Weg steht uns heute noch der Sabalan, ein 4811 m hoher Berg, laut Karte führt hier ungefähr die Hauptstraße vorbei, unser GPS jedenfalls bestätigt daß wir richtig sind, die Straße endet leider in einem kurdischen Dorf oder in einem jämmerlichen Feldweg. Nach Stunden des Suchens drehen wir um und finden eine neue Straße südlich um den Berg, die nördliche Strecke gibts wohl nur auf unserer Karte.




Irgendwann hat sich eine Schraube an meinem Windschild gelöst. Hier findet sich in einem großen Haufen Schrauben auch eine passende und der freundliche Herr in der Mitte bringt die Sache unter allgemeinem Aufsehen wieder ins Lot. Erst später bemerke ich, daß sich eine Halterung der Touratech Koffer komplett gelöst hat und das Weite gesucht hat. Glücklicherweise hat sich der Koffer nicht auch noch selbständig gemacht.



Nachdem einem anstrengenden Tag um den Sabalan herum schaffen wir es noch bis Jolfa an der armenischen/azerbeidschanischen Grenze. Das "Hotel" ist das krasse Gegenteil zum Vorherigen. Die "Klimaanlage" in unserem engen Dreibettzimmer hat offenbar keinen Einfluss auf die unerträgliche Hitze, verliert dafür rumpelnd direkt über mir die ganze Nachr einen Teil ihres Innenlebens. Außerdem hängt wie ein Damoklesschwert die zerbrochene Scheibe des Flachdachfensters über meinem Kopf, ist aber gnädig und bleibt oben.




Die Fahrt entlang der armenischen bzw. azerbeidschanischen Grenze zurück zum Grenzübergang Bazargan führt uns durch eine bergige und reizvolle Landschaft. Der Fluss trennt Azerbeidschan und Iran, jetzt sind es nur noch gute 50 km zur iranisch/türkischen Grenze.

Die Grenzformalitäten dauern wieder gut 2 Stunden, mein Lonely Planet Iran Reiseführer hat es einem der iranischen Grenzbeamten angetan, aber ich rücke ihn nicht heraus. 

Hinter der Grenze in Dogubayazit tanken wir erst mal um das iranische Klingelwasser etwas anzureichern, aber die Motoren haben den Sprit offenbar gut überstanden. Immerhin haben wir für den Preis eines türkischen Liters Benzin im Iran fast einen halben Tank gefüllt.




Vor uns liegen noch 2500 km durch die Türkei und Griechenland. Da muss so eine Yamaha-Kette natürlich geschmiert werden, als Boxer Fahrer verschwendet man daran ja keinen Gedanken. Die türkischen Zuschauer sind offenbar amüsiert, vielleicht auch über Lothars elegante "Kettenschmierhaltung".


Die Türkei haben wir von der Herfahrt noch in schlechter Wetter - Erinnerung, auch auf dem Heimweg bleiben wir nicht trocken, aber genießen die langen Etappen besonder am Schwarzen Meer entlang

.



Schließlich erreichen wir abends zu besten rush-hour Zeit Istanbul und fahren über die große Bosporusbrücke zurück nach Europa und in die Millionenstadt Istanbul. Im Holiday Inn sind unsere Preisvorstellungen dann doch zu weit von der Dame an der Rezeption und wir starten zu einer Stadtrundfahrt. Hier finden wir dann auch ein passendes und sauberes Hotel mit Straßenparkplatz, aber die Motorräder stehen die zwei Nächte sicher.




Am nächsten Tag bummeln wir durch Istanbul, genießen die türkische Küche und den frischen Fisch direkt am Meer in der lauen Herbstnacht und natürlich wieder ein Bier. Eigentlich sind wir ja schon fast wieder zu Hause.




Danach steht uns noch eine eher trostlose Mammuttour von Istanbul bis nach Meteora bevor. Da haben die Griechen zwar eine Autobahn gebaut, aber Tankstellen gibt es keine. Man muss ins nächste Dorf fahren um Sprit zu fassen. Das verstehen auch die Griechen selbst nicht, aber dafür entschädigt die Kulisse Meteoras, wofür man sich eigentlich mehr Zeit nehmen sollte.




Der Rest ist Formsache, wir fahren gemütlich nach Igoumenitsa, aber erst nach mehreren Versuchen bekommen wir noch eine Kabine für die Fähre am nächsten Tag nach Venedig. Morgens im besten Licht in Venedig einlaufen, von  der Fähre auf den Markusplatz hinunterschauen ist ein besonderes Erlebnis. Am Abend des 12.6.2009 sind wir wieder wohlbehalten daheim gelandet. Die Motorräder haben die ziemlich genau 12.000 km lange Tour klaglos überstanden.

Manche Etappen waren durchaus für Fahrer und Motorrad strapaziös und lang.


Aber das alles war nichts gegen das was wir erlebt haben.

Wir haben täglich ein Iranbild gezeichnet bekommen, welches mit dem was wir vorher gelesen hatten, was unsere Medien vermitteln und was unserem Bild dieses Landes entsprochen hat wenig zu tun hatte.

Wir haben ausnahmslos freundliche, neugierige, höfliche und unerwartet offene Iranerinnen und Iraner angetroffen, die sich über die deutschen Touristen gefreut haben und uns entgegengetreten sind, wie wir es umgekehrt sicher nicht tun würden.

Wir waren Tag für Tag vor allem von den Menschen sehr beeindruckt und können jedem Interessierten nur empfehlen selbst dorthin zu reisen.




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