Allgäu und der Rest der Welt

Mit dem Motorrad zum Kaukasus -

1. Durch die Türkei nach Georgien

(hinter einigen Bildern sind weitere Bilder verlinkt, wo eine Hand erscheint drauf klicken)



Der erste Teil der Reise führt uns von Ancona bequem mit der Fähre nach Cesme bei Izmir in der Türkei und weiter durch die Türkei bis zur Grenze bei Batumi.



Allerdings hat die Fähre ein paar Stunden Verspätung und wir vertreiben uns irgendwie die Zeit im Hafen.





Es weiß auch niemand genau, wann wir ankommen werden. Schließlich sind wir Montag um 23.00 Uhr in Cesme,  nachdem wir am Morgen durch den Isthmus von Korinth gefahren sind.




Mitten durch die Großstadt Izmir.


Unser erstes Ziel ist Pamukkale. Ich war hier schon vor gut 20 Jahren und bin entsetzt, was daraus geworden war. Von der Pracht der wasserüberfluteten in hellem Weiß strahlenden Sinterterassen ist nur noch ein kärglicher Rest übrig, das Wasser fehlt, das Weiß ist Grau gewichen, dafür gibt es jetzt noch mehr Hotels und Kitschläden als vor 20 Jahren.
Wir wollen nichts anbrennen lassen und fahren weiter an den wunderschön gelegenen See bei Egerdir, wo wir problemlos ein Quartier finden und frische Forelle zu Abend essen.




Am nächsten Morgen gab es leider ein paar Reibungsverluste und vorbei an der Riesenstadt Konya  kamen wir gerade zum besten Abendlicht  in Kappadokien an.


Und auch wenn man es schon gesehen hat, die ins weiche Tuffgestein gehauenen Kirchen und  Wohnungen in der Abendsonne sind ein atemberaubender Anblick.




Ein Stück sollte noch gehen und wir wollen wenigstens bis Kayseri fahren. Aber an der mehrere Kilometer langen Straße entlang der Stadt findet sich kein Hotel und wir fahren einfach weiter, obwohl es längst dunkel ist. Irgendwann landen wir an einem bescheidenen Hotel an der Straße.




Am nächsten morgen wollen wir früh raus, wollen wir doch  mindestens bis Trabzon kommen . Dem ist aber am Morgen ein in ungünstiger Höhe an der Wand angebrachter Fernsehhalter im Wege. Genau daran stoße ich mit dem Kopf, anschließend fließt Blut in einem kleinen Bächlein von meinem Kopf, im Bad sieht es gleich aus, als hätte man einen abgestochen.
Im Krankenhaus dann Entwarnung, eine Tetanus Spritze (steril) und Antibiotika und Entzündungsblocker aus der Apotheke erspare ich mir dafür trage ich drei Tage lang einen Kopfverband, das ist Strafe genug.
Trotz dieser Verzögerung schaffen wir es noch bis nach Rize hinter Trabzon, nur zu Essen gibt's nirgends was, es ist ja schließlich Ramadan.

Am nächsten Morgen dann Regen und in den Regenkombis stehen wir am Grenzübergang nach Georgien.

Die georgischen Formulare werden von Hand ausgefüllt, lesen können wir sie nicht, aber wir unterschreiben, schließlich wollen wir rein. Raus dürfen wir auch nur dort, wo wir es jetzt festlegen. Das Interesse der Zöllner gilt aber mehr den Motorrädern und alle sind freundlich. Nach einer Stunde stehen wir in Georgien.


Hinter der Grenze bilden sich Menschentrauben um unsere Motorräder, etwas was uns hier täglich passieren wird.


Eigentlich sollten wir jetzt hier eine Versicherung für die Motorräder abschließen, das empfehlen alle deutschen Automobilclubs, da die deutsche Kfz Versicherung hier nicht gilt. Aber die waren alle noch nie hier, denn man kann hier nirgends eine Versicherung abschließen, das interessiert auch niemanden, denn hier gibt es keine Plfichtversicherung wie in Deutschland.

Wir fahren also, vermutlich wie die meisten hier - vollkommen unversichert - und damit doch mit einem etwas flauen Gefühl in der Magengegend.

Am Ortseingang von Batumi biegen wir recht ab in Richtung Achalchidze.




Der Regen hat etwas nachgelassen, das reicht für ein schnelles Foto.


Die anfänglich gut geflickte Straße wandelt sich in eine schlecht geflickte, die Schlaglöcher  nehmen zu und schließlich gibt es nur noch „Teerinseln“. Nach etwa 30 km sind auch die verschwunden und es geht bei konstantem Regen langsam bergauf und über einen 2025 m hohen Pass. Die unbefestigte „Straße“ gleicht nur noch einem jämmerlichen Feldweg, es fahren nur noch wenige Fahrzeuge, bis zur Passhöhe nimmt der Verkehr fast ganz ab. Die Strecke hat es wegen des vielen Regens in sich. Schlammloch folgt Dreckloch, dazwischen grobes Geröll. Eine schwierige Strecke für die voll beladen fast 300 kg schweren Boxer (ohne Fahrer). Ohne den Conti TKC mit seinen Stollen hätten wir hier nichts zu bestellen gehabt, selbst der  Conti rotiert an manchen steilen Rampen bedenklich. Hier hätte man herrlich fotografieren könne, aber wir sind viel zu beschäftigt und dann noch die Regenklamotten, innen nass und außen nass.
 


Hinter der Passhöhe dann reines Geländewagenterrain. Glücklicherweise hat es jetzt aufgehört zu regnen und die teilweise steile Abfahrt verläuft stressfreier als die Auffahrt. Etwa 150 km später stehen wir zufrieden mit unserer sturzfreien Leistung im dunklen und ausgestorben wirkenden Achalchidze.


Wo ist ein Hotel ?
Die Polizei, dein Freund und Helfer führt uns hin. Ein dunkles uraltes Gebäude aus der Blütezeit des Sozialismus, schätze ich , Zimmer mit 5 m Raumhöhe, die Dame an der Rezeption, schätzungsweise so alt wie das Haus rückt einen Zimmerschlüssel heraus, nachdem der Polizist mit ihr gesprochen hat. Das hätten wir hier nie gefunden !
Der geht wieder mit uns runter und es ist ihm ganz wichtig, dass die Motorräder von der Straße weg sind, er öffnet beide Flügel des Hoteleingangs und wir fahren in die geflieste Vorhalle.
In unserem Dreibettzimmer gibt es auch ein einziges Handtuch und es bedarf einiger Überredungskunst, der Dame an der Rezeption zwei weitere zu entlocken. Auch sonst macht sie einen misstrauischen Eindruck. Als wir erklären wir hätten nur Dollars, da wir noch nicht gewechselt hatten, schnappt sie sich schnell wieder einen unserer Pässe, sicher ist sicher.

 
Die anschließende Suche nach einer warmen Abendmahlzeit endet erfolglos im gegenüberliegenden Krämerladen. Die beiden freundlichen Ladenbesitzer preisen die georgische Wurst, den undefinierbaren Käse und das Schwarzbrot. Zur Sicherheit kommt noch eine Dose Fisch dazu und zur Spülung die große 2 Liter Plastikpulle Bier. So tafeln wir auf dem Zimmer.

Am nächsten Morgen ein völlig anderes Bild. Eine quirlige Stadt, die Straßen voller Menschen, Autos, Gehupe, Leben. Wo waren die alle gestern Abend ??










                                                                                                                    Unter großer Beachtung schieben wir die Mopeds aus der Hotellobby, noch ein Foto vom Eisverkäufer, der sich stolz vor seine Eismaschine „Uralt“ stellt –

das Eis verkneife ich mir – und durch die überfüllten Straßen zielen wir Richtung Tiflis.




Wir fahren durch schöne Landschaften am Fluss Mtkwari entlang, der uns bis Tiflis begleiten wird.






Vom Kurort und früheren Zarensitz Bordshomi machen wir einen Abstecher zum Skiort Bakuriani, wo fleißig gebaut wird. Hier sind wir im kleinen Kaukasus mit Gipfeln bis etwa 2500 m. Im Dorf tummeln sich wie überall die Schweine auf der Straße. Auch hier ist ein Geländewagen eine sinnvolle Anschaffung, aber die Herren mit  den glänzenden Limousinen, dem großen Motor unter der Haube und dem Stern darauf sind alle auch schon hier! 
Die Straße herauf wurde gerade neu gemacht und wir fliegen durch die Kurven wieder hinunter, nachdem wir an der Tankstelle versucht hatten den Sprit zu bekommen, der ohne Blei ist, die beiden BMW haben ja einen Kat (den die Bundesregierung aber steuerlich nicht fördert!).
Später erfahren wir aus berufenem Munde, dass es in ganz Georgien keinen bleifreien Sprit gibt !




...dem ist das egal !



Vor Tiflis kommen wir auf den „Highway“ aus Richtung Batumi, hier fährt jeder so schnell und gut er kann, überholt wird immer und zu jeder Zeit, irgendwer wird schon ausweichen. Wollen wir nicht unter die Räder kommen ist Konzentration angesagt.


Ich versuche mich in Tiflis zu orientieren und dorthin zu kommen, wo der Lonely Planet mir ein Hotel empfiehlt. Das ist nicht einfach, die Wegweiser, so denn überhaupt welche vorhanden sind erschließen sich mir meist nicht, denn die georgische Schrift ist schön, aber ich kann mit den vielen Würmchen nichts anfangen, kyrillisch oder arabisch ist selten.


Wir suchen lange und vergeblich, quälen uns wieder und wieder durch steile kopfsteingepflasterte Straßen und durch undurchdringlichen dieselqualmgeschwängerten  Straßenverkehr und  kochen dabei im eigenen Saft. Es ist heiß in Tiflis und als hinter der unscheinbaren Fassade des "Beaumonde"  der Hotelier auf Klingeln öffnet, genießen wir westlichen Komfort bei westlichen Preisen, dafür ist der Wein in den Teekannen serviert auch ohne Berechnung.


Wir treffen einen russisch und georgisch sprechenden Militärattaché mit seiner charmanten Gattin, beide leben seit Jahren hier und können uns viel über Georgien erzählen. So sitzen wir ziemlich lange und gut und die Teekanne mit dem vorzüglichen georgischen Rotwein - es ist ein Saperavi - muss öfter gefüllt werden.

Zum Glück regnet es am nächsten Morgen und wir müssen nicht so früh aufstehen, denn wir wollen bei schönem Wetter zur georgischen Heerstraße, also erst mal noch ein Tag in Tiflis.




Die georgische Hauptstadt wurde von König Wachtang Gorgassali gegründet, als er im 5. Jh. Iberien von den Persern befreite. Er baute die Festung Narikala aus, deren Grundstein die Perser gelegt hatten.  Der Name Tbilissi ist von georg. tbili (warm) abgeleitet, was auf die warmen Quellen zurückzuführen ist. Die Stadt wurde später wiederholt zerstört und wieder aufgebaut.




Ein Teil der Altstadt im Vordergrund und der Metechi - Kirche über dem Fluss Mtkwari.




Am Mittag machen wir einen Rundgang durch Tiflis und genießen den Blick von der Narikala Festung über die 1,4 Mio - Stadt




Die Schwefelbäder, 24 - 38 Grad warm, sie enthalten ein Gemisch aus Eisen und Schwefel, schon Puschkin, Tolstoi und Dumas badeten hier und wir hätten uns gerne in dieser Liste wichtiger Persönlichkeiten eingereiht, leider reicht uns die Zeit einfach nicht, aber wir ja schon im Hotel geduscht !



Die alten Häuser Tbilissis mit ihren markanten Balkonen verfallen leider.


Abends besuchen wir die Altstadt und sitzen gemütlich im Freien bei südeuropäischem Flair und gutem Essen und beobachten genüsslich die Flaniermeile, wo sich zeigt, wer schön und topmodisch gekleidet ist.





Alte Architektur am Mtkwari





Der Freiheitsplatz


Tiflis ist unser einziger Ruhetag, am nächsten Morgen fahren über Mzcheta weiter. Sie gilt als die altehrwürdigste Stadt Georgiens. Sie war fast 1000 Jahre Hauptstadt der iberischen und kartlischen Könige, die im 4. Jahrhundert das Christentum zur Staatsreligion erklärten. Wir besuchen Sweti Zchoweli, die erste Kirche von Mzcheta, im 11. Jahrhundert durch einen Kreuzkuppelbau ersetzt und Schmuckstück georgischer Baukunst ist.




Wir befinden uns hier im Kartli, dem Kernland Georgiens.

Von hier wollen wir über die georgische Heerstraße, bereits im 1. Jh vor Christus umkämpfter Karawanenweg über den Großen Kaukaus nach Kazbegi kurz vor der heutigen Grenze zu Russland.




Erster Haltpunkt ist die Festung Ananuri.


Die georgische Heerstraße, noch zu Zeiten von Alexandre Dumas ein Abenteuer in der Pferdekutsche mit Militärbegleitung und bewaffnet, da Überfälle zum Alltag gehörten, wurde 1863 von russischen Ingenieuren ausgebaut. Sie hatte strategische Bedeutung und stand unter dem Schutz russischer Kosaken.

Da die Grenze nach Russland aber inzwischen geschlossen ist, gibt es kaum noch Verkehr und teilweise ist die Straße in schlechtem Zustand.

Als unterwegs mal ein paar schöne Kurven locken fährt doch die Polizei vor mir her. Ich überhole mal  trotz Überholverbot und durchgezogener Linie, schließlich interessiert das hier doch nie jemand.




Die beiden hat's auch nicht interessiert, schon interessanter fanden sie das Motorrad, und außerdem waren sie stolz auf ihren Streifenwagen made in Germany




Wie überall in Georgien tummeln sich Schweine, Kühe, Pferde, Gänse, Hühner und Hunde überall auf der Straße.






Die Straße führt durch schöne Landschaft zum knapp 2400 m hohen Kreuzpass, zuvor kommt man durch das Dorf Gudauri, neben Bakuriani der zweite aufstrebende Wintersportort Georgiens mit teuren Hotels und Heliskiing.
 
Hinter dem Kreuzpass geht es dem Terek entlang, der von vielen Dichtern, wie Lermontov  beschrieben wird am  malerisch gelegenen Khobi vorbei bis Kazbegi.




Khobi



Über Kazbegi thront dominant und beeindruckend der 5033 m hohe Kasbek,  1868 vom Engländer Freshfield erstbestiegen.

Der Kasbek, von den Georgiern Mquinvari genannt, von den Osseten Zeristi Jub (Berg Christi), gilt wie auch der Elbrus als heiliger Berg. Nicht nur der Gipfelbereich, sondern das gesamte Gebiet genießt bei den Georgiern eine  religiöse Verehrung. Die Ursprünge seiner Verehrung gehen bis zu den alten Griechen zurück, die den Kaukasus nach der deukalionischen Flut als die Wiege der Götter und das Ende ihrer Welt nach Norden betrachteten.


Zur sagenumwobenen Darjal Schlucht, die den Terek nach Russland Richtung Wladikawkaz hinunter begleitet machen wir noch einen Abstecher, aber noch vor der Grenze hat der wilde Terek die Straße weggerissen, so dass es keinen Übergang nach Russland und in die untere Darjal Schlucht mehr gibt.





Natürlich muss man zur Zminda Sameba Kirche auf dem Berg Kwemi Mta in 2170 m Höhe hinauf. Hat man doch von hier den schönsten Blick zum Kasbek und außerdem ist es das Postkartenmotiv.  Zu Fuß wird’s knapp und so fällt die Wahl auf die Motorräder, was uns nicht wirklich schwerfällt.




Hier herauf fahren sonst nur Geländewagen und möglicherweise sind wir ja die ersten mit dem Motorrad hier oben. Auch der Pfarrer ist begeistert und ich darf trotz eindeutiger Verbotsschilder mit seinem Segen in der Kirche fotografieren.




Vor der Zminda-Sameba-Kirche oder Dreifaltigkeits-Kirche.

Sie ist die einzige Kuppelkirche in den Bergregionen Georgiens.

Zwei weitere wichtige heilige Orte befinden sich oberhalb der Zminda-Sameba-Kirche in knapp unter 4000 m Höhe: eine kleine Kapelle und die Betlehemihöhle. Der Überlieferung nach, wurde hier die Wiege Christi und das Zelt Abrahams aufbewahrt.




Familiär wird mit anderen Rucksacktouristen in der Küche zu Abend gegessen,

was Garten und Dorf so hergibt.

Später einigen wir uns im  voll belegten 10 – Bett Zimmer auf eine gemeinsame Bettruhe.




Wehrtürme gab es auch hier an der georgischen Heerstraße  und in den Seitentälern.


Am Morgen ist Eis auf den Motorradsitzen, aber nach dem Frühstück ist die Sonne überm Berg und es ist gleich warm. Wir fahren zurück Richtung Tiflis, am Kreuzpass treffen wir noch auf eine Gruppe israelischer Mountainbiker.




Und es gibt sie doch, Wegelagerer in Georgien halten Einheimische wie Fremde auf, an allen Ecken und Enden trifft man sie mit stoischer Gelassenheit.



Von Tiflis geht es Richtung Kutaissi durch schöne hügelige Landschaften. Die Straße schlängelt sich bergauf - bergab am Fluss Rioni, dem griechischen Phasis entlang. Wir sind hier in der kolchischen Tiefebene, dem Ursprungsgebiet des sagenumwobenen goldenen Vlies. Doch das ist lange her, Kutaissi gab es schon in der Antike, heute rasen hier Autokolonnen anscheinend in selbstmörderischer Absicht durch das Rionital.  Auch in dritter Reihe wird noch überholt, es wird schon keiner entgegenkommen.




Aber es gibt auch angenehme Begegnungen. Hier werden wir zu frischer Melone eingeladen, Geld wollten sie keines nehmen.


In Kutaissi finden wir mit Hilfe Einheimischer ein abgelegenes, aber freundliches Gästehaus, wo wir keines vermutet hätten. Auf den Straßen fehlen immer wieder die Deckel der Kanalisation. Wer da hineinfährt, fährt jedenfalls nicht mehr weiter!
Wie immer sind die Motorräder eine kleine Sensation als wir vor dem Gästehaus stehen. Wir bekommen zwei sehr schöne Zimmer, danach über den Dächern von Kutaissi ein vielgängiges georgisches Menü. Dann sitzen wir noch mit Georgi am Tisch, der mit seinem Geländewagen Touristen überall hin fährt. Er erzählt uns einiges über sein Land, auch dass die Polizei nach der Rosenrevolution  ausgetauscht worden sei und seither gäbe es zumindest bis jetzt keine Korruption mehr.  Die Rosenrevolution fand 2003 in Georgien statt und führte zum Sturz Schewardnadses. Der Begriff wird einem Zitat des ersten georgischen Präsidenten Gamsachurdia entlehnt, der sagte: „Wir werden Rosen statt Kugeln auf unsere Feinde werfen.“ . 


Zwei georgische Reiseführerinnen, die zufällig auch hier übernachten geben uns eine Adresse von einem homestay in Mestia und rufen dort auch gleich an um uns für die nächste Nacht anzukündigen. Außerdem hinterlassen sie ihre Handynummern, „falls irgend etwas los ist, oder wenn es Probleme gibt“ sollen wir einfach anrufen, „wir lassen sie nicht hängen !“ .

Das nehmen wir gerne an und am nächsten Tag steht uns die ungewisseste Fahrt bevor.




Immer freundliche Gesichter, egal wen man trifft


Mestia in Swanetien ist ein fester Programmpunkt, hatte ich doch schon viel darüber gelesen, auch über die guten swanetischen Bergsteiger, den Ushba und die abgelegenen Swanendörfer mit ihren Wehrtürmen.
Sugdidi ist die letzte Stadt und wir tanken nochmals voll. 140 km sind es bis Mestia und ich hatte bisher trotz intensiver Internetrecherche keine brauchbare Streckenbeschreibung erhalten. Es sei steil, sehr felsig und schwierig, es würden Geländewagen dorthin fahren und man solle nur mit einheimischen Führern nach Swanetien.
An der Tankstelle in Sugdidi interessiert sich dann auch die Polizei für unser Vorhaben, überhaupt war die Tankstelle von zwei Posten mit Maschinenpistole bewacht, die sich wiederum mehr für unsere Motorräder interessieren. Vielleicht liegt das an der Nähe zu Abchasien, der abtrünnigen Teilrepublik Georgiens.




Hinter Sugdidi dann ein Panzer mit winkenden Soldaten und ein paar Kilometer weiter ein Schlagbaum mit UN Posten. Wir dürfen  passieren und genießen noch einige Kilometer befestigte Straße, bevor sich der letzte Flecken Teer verliert.




Wer nicht vorausfährt trägt bald grau. Helge's Kombi war mal schwarz.


Staubig und holprig geht es in kleinen Gängen mühsam bergauf, technisch war die Strecke nach Achalchidze aber schwieriger und heikler, immerhin ist es hier trocken.




Nach gut 120 km öffnet sich ein weites Hochtal und die weißen Gipfel des Kaukasus zeigen sich über dem satten Grün der Wiesen und Wälder.




Dann taucht der Ushba wie ein Paukenschlag auf. Ein schwieriger fast 5000-er (4700m) ohne leichten Anstieg, der sich eindrucksvoll zur Schau stellt und es an Schönheit mit dem Matterhorn aufnehmen kann.  Er ist das anspruchsvolle Ziel der swanetischen Bergsteigerelite.




Wir fahren durch die ersten Dörfer mit vielen alten Wehrtürmen, in die sich die Einwohner früher zurückzogen. Feinde hatten keine Chance hineinzukommen, da die einzelnen Stockwerke nach unten nur durch eine Luke erreichbar war, die leicht verteidigt werden konnte.




Hier scheint das Leben stehen geblieben zu sein. Es gibt noch keine touristische Infrastruktur, aber das wird sich langsam ändern. Die Landwirte ziehen immer noch Schlitten hinter Ochsen oder Pferden, auf denen sie transportieren, was zu transportieren ist. Das funktioniert im Sommer wie im Winter.



Unser Hausherr.


Wer hier her kommt wohnt bei Einheimischen, die sich damit ein paar Dollar oder Lari dazuverdienen. Im Haus wird auch gegessen, was Garten oder Landwirtschaft hier oben hergibt. Wein gibt er auch hier her, daran mangelt es nie.



Vier Polizisten "Typ Bodyguard" mit Lada Niva.


Sicherheit ist hier leider noch ein Problem, weshalb sich auch die Polizei dafür interessiert, wo wir gerade fahren, immer wieder mal kommt es zu Überfällen.

An der Grenze von der Türkei wurde uns erzählt, es sei gerade wieder eine 15 – köpfige Touristengruppe ausgeraubt worden. Als wir von Mestia weiter nach Ushguli fahren wollen, erklärt uns die Tochter des Hauses, dieses sei   „not carefull“, wir sollten wenigsten unsere Wertsachen hier lassen.  Was da wirklich dran ist können wir nicht einschätzen, aber wer überfällt schon Motorradfahrer ?




Für die Strecke nach Ushguli mit gut 40 km rechnen die Einheimischen mit dem Geländewagen 2 Stunden Fahrzeit. Leider reicht dazu unser knapper Zeitplan nicht. Von Ushguli müsste es noch eine Verbindung zurück nach Lentheki geben, diese soll nochmals eine Steigerung sein.


So genießen wir noch ein bisschen die schön miserable Straße nach Ushguli mit den unbeladenen Maschinen und anschließend Dusche und Abendessen bei unseren Gastgebern. Danach kommt Weißwein auf den Tisch, der wie uns erklärt wird, immer in einem Zug geleert wird. Die Karaffe wird rechtzeitig nachgefüllt… wir gehen irgendwann ins Bett. 




Am nächsten Morgen begegnen wir einigen der traditionellen Schlitten, gezogen von Ochsen oder Pferden. Sie werden noch täglich benutzt. 



Wir  fahren zurück nach Sugdidi, wo wir nach 140 km und ein paar Stunden später , diesmal deutlich schneller als bergauf, unbeschadet ankommen.

In Sugdidi taucht bei einem kurzen Stopp die örtliche Presse auf und lichtet uns ab. Touristen mit Motorrädern sind hier wie in ganz Georgien eine Seltenheit und offenbar einen Presseartikel wert.



Jetzt haben wir die Highlights Georgiens hinter uns und fahren Richtung Poti und Batumi, wo wir noch ein letztes mal übernachten. Ein ausgedehnter Stadtrundgang zeigt zwei Seiten Batumis. Die Front am schwarzen Meer ist modern, hier wird die Nacht zum bunten Tag, wenn auch die Gastronomie beim Service eher an graue sozialistische Zeiten erinnert. Geht man allerdings ein paar Straßen von der Strandmeile weg, zeigt sich das vielerorts in den Städten typische desolate Bild des Verfalls.



Auf dem Markt in Batumi wird verkauft, was geerntet wurde.












                                                                                                                        So verlassen wir am nächsten Morgen Georgien. Die Polizei bietet sich noch einmal an, uns aus der Stadt zu eskortieren, als wir für ein Foto vor einem Wegweiser nur in georgischen Schriftzeichen einen Fotostopp einlegen. Mit über 80 km/h und kurzen Signalstößen geht es ungehindert bis zum Ortsrand.


Die folgenden Grenzformalitäten lassen wir gelassen über uns ergehen, ohnehin interessiert die türkischen Zöllner in erste Linie die Lautstärke unserer Kompressor - Hörner, und sie drücken ausgiebig auf unsere Hupenschalter.

In mir stellt sich jetzt doch eine kleine Erleichterung in der Magengegend ein, schließlich fahren wir jetzt wieder versichert, das ist doch ein beruhigendes Gefühl.


Der zweite Teil der Reise wird uns vom türkischen Trabzon mit der Fähre nach Sochi in Russland und weiter durch die Ukraine mit Krim, Moldawien, Rumänien, Ungarn und Österreich zurück nach Hause führen.