Allgäu und der Rest der Welt

2017 

 Russland, Seidenstrasse, Pamir und Mongolei

Eigentlich war diese Reise schon für 2016 geplant. Alles war vorbereitet, allein die Visa hatten über 500€ gekostet und meine alte R 80 GS, der ich einen großen 34 l PD Tank verpasst hatte stand startklar in der Garage.


Originally, that trip was planned for 2016, everything was prepared, visas for over 500€ and my old R 80 GS bike was ready for takeoff.



Aber wie jedes Jahr war ich im Frühjahr noch für eine Woche in Italien mit meiner R1100 GS. Beim Fahren im Stehen mit ca. 70 km/h brach mir dabei die rechte Fußraste völlig unvermittelt und ich stand bei diesem Tempo mit meinen 80 kg auf der Straße. Ein sehr unangenehmes und überaus schmerzhaftes Ereignis.

Ich hatte seit weniger als einem Jahr eine Fußraste der Fa. Offroadbasis in Ostfildern bei Stuttgart montiert.


But as always I was in Italy in spring for one week. While standing on my motorcycle the the right footpeg fell off out of nowhere. Since i was standing on the bike and going about 70km/h (44mph) my foot touched the road, which was very painful. I had installed that footrest only one year before the incident.




Hier sieht man den Rest, den Teil der an der Halterung der BMW montiert ist. An den beiden Längsschlitzen war die eigentliche Raste "angeschweißt" gewesen.
Trotz mehrerer Anschreiben hat sich der Hersteller Offroadbasis dazu mit keinem Wort geäußert.
Die Folge war eine mehrwöchige intensive ärztliche und physiotherapeutische Behandlung, verfallene Visa für die Stan-Länder, viel Frust und dann letztlich noch eine nur 4-wöchige Reise durch Russland.

On the picture you can see the part that is attached to the BMW, the footpeg had been attached to both of the longitudinal slots. The producer "offroadbasis" unfortunately didn't respond to my complaint e-mails.
To sum-up, i had to go to physical therapy for several weeks and all my visas expired, i was frustrated. So I went to Russia for 4 weeks instead.


2017 sollte also alles besser werden.

Zumindest konnte ich mir 2016 viel Zeit für die vielen sehenswerten Ziele in Polen, der Ukraine und Russland lassen.

Also geht es über Tschechien nach Polen. In Krakau, Polens Kulturstadt ließe es sich auch länger aushalten. Eine schöne Stadt mit vielen Möglichkeiten die lauen Sommerabende im Zentrum am Hauptmarkt zu genießen.

At least i had enough time to spend in Russia, the Ukraine an Poland in 2016.

So, it's 2017 and I went from the Czech Republic to Poland. Krakow was very beautiful, i could have easily spent way more time there. Warm summer evenings and a whole lot of other possibillities to spend time there.




Die Grenze zur Ukraine ist schnell passiert und in der Ukraine steht Lviv, die einstige Hauptstadt Ostgaliziens, zu deutsch Lemberg quasi am Weg.

Crossing the ukrainian border didn't take long and i visited Lviv, former capital of east Galicia.




Heute nicht nur eine Stadt mit beeindruckender Architektonik, sondern auch mit einem wunderbaren multikulturellen Flair.
Und mit alten Kaffeehäusern, zum Beispiel dem Wiener Kaffeehaus in denen man Kaffee und Strudel genießen kann und auch unbedingt sollte.

Not only a city with impressive architecture but with a wonderful multi-cultural flair.
It has old coffee houses such as the "vienna coffee house" with austrian specialities, which I can absolutely recommend to you.




Bevor es weiter nach Kiev geht mache ich noch einen Bogen über Czernowitz. Eine Stadt mit wechselvoller Geschichte. 1875 war hier schon eine deutschsprachige Universität in der Zeit Kaiser Franz Josefs gegründet worden.
In diesem Kaffehaus, in dem auch eine vorzügliche Sachertorte serviert wird hängen noch Originaldokumente aus dieser Zeit.

Before heading to Kiew, I went to Czernowitz. A city with quite changeful history. In 1875, there had already been a german University.




Aber nicht nur die zahlreichen Kaffeehäuser, in denen Kaiser Franz Josef I. überall präsent ist, auch die Stadt lohnt einen längeren Besuch.

Not only the many coffee houses are historically influenced, the entire city is worth a longer visit.




Weniger einladend sind nur die Straßen zwischen den Städten, fährt man nicht nur auf den Hauptadern des Landes. Auch auf vermeintlich guten Straßen ist Aufmerksamkeit gefordert, will man nicht in einem dieser Schlaglöcher stranden.

Only the streets in-between the cities aren't quite as nice. But also good-looking streets shouldn't be trusted at first sight if one doesn't want to end up in a giant pothole.




Für Kiev sollte man sich mehrer Tage Zeit nehmen. Diese Stadt und die Freundlichkeit auf die man überall trifft ist es wert.
Kiev, mit etwa 3 Mio Einwohnern Haupt- und gleichzeitig größte Stadt der Ukraine, hat viele Sehenswürdigkeiten und eine hervorragende Infrastruktur. Englisch wird hier im Gegensatz zu Russland häufig gesprochen, so daß kaum Verständigungsprobleme auftreten.

Kiew ist worth spending a few days in. It's the biggest city in the Ukraine and also its capital with about 3 million residents. Friendly people, perfect infrastructure and many sights make it very interesting. You can also get along well with english, contrary to my experience in Russia.



Der Maidan Platz Kievs, der 2013 in aller Welt in die Schlagzeilen geraten war liegt wieder friedlich und als wäre nichts geschehen im Zentrum der Stadt. Den damals um's Leben gekommenen Männer und Frauen wird mit Gedenktafeln und Bildern gedacht. Aber davon, dass dieser Konflikt mit Russland nach wie vor besteht spürt man in dieser pulsierenden Stadt nichts.

The "Maidan Place" in Kiew, which was all over the news in 2013, was being peaceful and it seemed as if nothing ever happened. Honoring the meories of the men an women who've lost their lives in this place, plaques an pictures were put up. The ongoing conflict with Russia, is not very perceivable in this city, for tourists at least.




Aber Sehenswürdigkeiten hat die Stadt viele, das Kiever Höhlenkloster, eines der ältesten russich-orthodoxen Klöster der Kiever Rus und heute Weltkulturerbe der UNESCO ist nur eine davon, vielleicht ein der größten.



Kiev, als Zentrum des Kiever Rus, dem mittelalterlichen Großreich aus dem das spätere Russland, Ukraine und Weißrussland hervorgegangen ist, ist heute inmitten von Klöstern, Kirchen und beeindruckender Architektur eine moderne Großstadt.



Kiev ist die letzte Stadt der Ukraine, bevor es ein paar hundert km weiter nach Russland geht. Ich habe einen kleinen Grenzübergang ausgesucht, den ich nur mit Mühe finde. In ein paar heruntergekommenen Baracken hinter einem Schlagbaum befindet sich die ukrainische Grenzstelle. Ich werde freundlich begrüßt, nach einer kurzen Kontrolle, einem Stempel im Paß darf ich weiterfahren.

Der russische Grenzbeamte hält mir dagegen erst mal einen längeren Vortrag, nachdem ich auf englisch nach einem deutschen oder englischen Zollerklärungsformular frage. Das russische ist kyrillisch und auch wenn ich das lesen kann, ich verstehe es nicht.
Seinen russischen Vortrag auch nicht, aber was er mir sagen will kann ich deuten: Wenn man in ein so schönes und so großes Land wie Russland reist sollte man auch russisch sprechen können.
Ich lächle ihn freundlich an, er hat ja recht. Das Fenster seiner Baracke schließt sich und öffnet sich zwei Minuten später wieder.
Er reicht mir das zweiseitige, zweifach auszufüllende Zollformular in deutscher Sprache!
Den Rest erledigt freundlich und zuvorkommend seine Kollegin am anderen Fenster, ich muss noch ein paar Formulare unterschreiben, deren Inhalt ich nicht kenne und ich werde nach ca. 2 Stunden in's russische Reich entlassen.

2016 war meine erste Station dann Kursk, wo ich auch 2017 wieder übernachtet habe. Von dort besuchte ich über Woronesch Wolgograd, das ehemalige Stalingrad.



Auf dem Mamajew-Hügel, im 2. Weltkrieg umkämpft steht heute die Kolossalstatue "Mutter Heimat ruft" . Sie ist mit 82 m Höhe und einem Gewicht von ca. 8000 t eine der größten Statuen der Welt.



Gleich unterhalb befindet sich der Saal des Soldatenruhms mit den unendlich langen Namenstafeln gefallener Soldaten. Allein hier am Mamajew Hügel sollen es 30.000 gewesen sein.



Nicht weniger eindrücklich sind die Bilder in Rossoschka. Am Fluss Rossoschka stehen sich der russische und  der deutsche Soldatenfriedhof gegenüber.
Hier, etwa 35 km vom Zentrum Wolgograds starben Hunderttausende.



Auf schlichten Steinquadern sind die Namen von 120.000 nicht mehr zu bergenden vermissten Toten verzeichnet.



Ob dieser Wunsch wohl jemals in Erfüllung gehen wird?



Unbedingt besuchen sollte man das Panorama Museum über die Schlacht von Stalingrad an der Wolga. Es steht direkt neben diesem unveränderten Haus als mahnende Erinnerung an die Kriegsereignisse.



Wolgograd ist eine moderne Stadt am Wolgaufer, heute leben hier über 1 Mio Menschen.



Die Sommerabende sind warm, tagsüber liegen die Temperaturen schon bei 40 Grad. Abends wird es lebendig, nur Schnaken sind es noch mehr als Menschen entlang dem längsten Fluss Europas.



2016 geht es dann an der Wolga entlang weiter nach Norden und schließlich über die baltischen Staaten zurück nach Hause.

2017 stehe ich dann im Mai wieder an der Grenze von der Ukraine nach Russland. Ich erkenne sofort "meinen" Grenzbeamten - der mit dem Vortrag - wieder. Wieder frage ich ihn in freundlichem englisch nach deutschen oder englischen Zollformularen. Er schiebt mir die russischen in kyrillischer Schrift bedruckten Formulare zu und sagt in sehr energischem Ton "Russisch!" . Immerhin hält er mir diesmal keinen Vortrag.
Ich bücke mich nochmals hinunter in die kleine Fensterklappe, schaue mit freundlicher Miene zu ihm hinauf und frage ihn nochmals, diesmal auf russisch nach deutschen oder englischen Formularen. Da schaut er mich kurz wortlos an, zieht seine Formulare zurück, geht zum PC und druckt mir weiterhin wortlos englische Formulare aus.
Was wenige Worte in der Landessprache sprechen zu können doch gleich bewirken können!
Dabei hätte mein russisch zu gar nicht viel mehr gereicht.



Fährt man abseits der Hauptstraßen kommt zu alten Wolgadörfern, in denen die Zeit scheinbar stehen geblieben ist. Und man kann in Russland fahren wo man möchte und immer trifft man auch auf freundliche Einheimische.



In Saratov fahre ich dieses Jahr über die hier 3 km breite Wolga und eine der längsten Brücken Europas von Saratov nach Engels.



Die "deutsche Straße" ist eine der wenigen Erinnerungen als in dieser Region einige hundert Tausend deutsche Aussiedler gelebt haben, deutsche Sprache und Kultur pflegen durften. Es wurden deutsche Amtsbezirke gebildet, die deutschen Kolonialisten wurden weitgehend autonom von Saratov aus verwaltet, es wurde deutsch gesprochen. 1917 mit der Machtergreifung der Bolschewiki sollte sich alles ändern und gipfelte in der Deportation unter Stalin 1941.



Heute ist zumindest das Zentrum Saratovs eine moderne und besuchenswerte Stadt mit einer reizvollen Lage am Wolgaufer.



Jetzt kommt Neuland aber das beginnt freundlich, auch wenn beim Tanken in Russland eigene Regeln gelten, aber der Sprit ist zumindest billig und Tankstellen gibt es genügend.

 
Die nächsten 1500 km bis zur usbekischen Grenze sind eintönig und heiß. Alles ist flach, kaum einmal Schatten aber Temperaturen bis fast 40 Grad.
Die Pferde suchen sich einen kühlenden Platz im Wasser,



den Kamelen, die wie die Pferde oder Kühe hier überall frei herumlaufen können scheint die Hitze egal zu sein. Mir eher nicht, ich starte früh morgens um der Nachmittagshitze entgehen zu können und trotzdem vorwärts zu kommen.



Gelegentlich werde ich aufgehalten. Das Motorrad und der Helm üben offenbar eine besondere Anziehungskraft aus. Aber überall in Kasachstan sind die Polizisten freundlich und nur neugierig. Das sollte sich noch ändern.



Endlich erreiche ich über Ural und Atyrau am Kaspischen Meer den letzten Ort in Kasachstan, Beineu. Es gibt hier am Ende Kasachstans einige Unterkünfte wo ich einen deutschen Radler treffe, der in 2 Monaten hierher geradelt ist!



Von hier suche ich erst mal eine Straße in Richtung Usbekistan. Ausgeschildert ist jedenfalls keine nur ein erbärmlicher Rest einer Straße führt über die Bahngeleise und dann 90 km in Richtung Usbekistan. An manchen Stellen schauen spitze Reste von Stahlmatten aus den Betonfragmenten der einstmaligen Straße. 3 Stunden brauche ich bis zur Grenze im Niemandsland, von der es viele Schauergeschichten gibt.



Mit dem Motorrad fahre ich an der Warteschlange der Autos vorbei, das ist hier überall selbstverständlich. Dann geht es nicht mehr weiter. Vor mir stehen 4 Lastzüge, nirgends Platz vorbeizukommen. Nur ein Gehweg, vielleicht 80 cm breit zwischen den LKW und einer Mauer. Ein Blick nach vorne zum Grenzsoldaten am Eisentor und ich fahre auf dem Gehweg zu ihm vor.
Ein Blick in meinen Pass, das große massive Eisentor öffnet sich und ich kann zu Kontrollstelle vorfahren.
Heimlich ein Bild, Autos werden hier regelrecht auseinandergenommen.
In meine Taschen und Koffer will man zumindest auch einen Blick werfen, aber überall wird mir geholfen, Formulare gebracht und ich bekomme  meinen Stempel. Noch eine Kopie 200 m weiter und wieder zurück. Ich darf zum anderen Eisentor. Der Grenzsoldat sieht dann den Fehler. Der Stempel ist im letztjährigen Visum. Nochmals zurück, den Beamten ist es offenbar peinlich und sie bemühen sich sehr, aber der Computer ist für eine Stunde ausgefallen und so komme ich nach gut 3 Stunden heraus. Die Zeit wird mir heute fehlen, aber alle waren sehr freundlich, die vielen Horrorgeschichten über diesen Grenzübergang haben sich nicht bewahrheitet.



In Usbekistan - zu den Städten an der Seidenstrasse


 
Ich kann es noch nicht so recht glauben. Ich bin in Usbekistan!
Verkehr ist hier zumindest Mangelware und die Straße ist gerade mal richtig gut. Vielleicht schaffe ich mein Tagesziel noch.



In Usbekistan gibt es zwar viele Tankstellen, aber da gibt es keinen Sprit. Den gibts außer in Tashkent nur in Wasserflaschen auf dem Schwarzmarkt. Deshalb wollte der freundliche "Benzineingießer" auch nicht von vorne aufs Bild.  Und heute hatte ich immerhin 700 km vor mir. Unterwegs wollte ich meine Zeit nicht mit dem Suchen von Sprithändlern verplempern und hatte sowohl meinen 34 Liter Tank wie auch meine Reservekanister noch in Kasachstan gefüllt. Damit sollten 900 km möglich sein. Ich hatte also Reserve.



Die letzten beiden Fahrstunden war es schon dunkel, als ich nicht immer erfolgreich versuchte den unzähligen und oft tiefen Schlaglöchern auszuweichen.
Dann vor mir ein Guesthouse, das Alibek, und da gabs auch ein kaltes Bier!
Das genoss ich nach 715 km und 16 Stunden auf dem Motorrad wie selten.



Usbekistan ist überwiegend ein Wüstenstaat. Die Städte sind Oasenstädte. Und es war heute heiß mit Temperaturen bis 40 Grad. Schatten ist Mangelware außerhalb der Städte.
Erst am nächsten Morgen konnte ich sehen wo ich genau war. Ich saß gegenüber der Stadtmauer der Altstadt von Chiva beim Frühstück im Guesthouse Alibek.



Chiwa (auch Khiva oder Xiva) an der alten Seidenstraße ist eine Oasenstadt westlich des Amudarja, der in der Antike als Oxus bekannt war. Die Stadt am Verbindungsweg zwischen Indien und Europa hatte immer eine strategische Bedeutung und viele Herrscher und war schon im 10. Jh eine bedeutende Handelsstadt.



"Die" Seidenstraße gibt es eigentlich nicht, vielmehr war es ein Netz von Karawanenwegen, die Asien mit dem Mittelmeer verbunden haben. Hauptsächlich wurde Seide, aber auch Gold, Silber und andere Güter gehandelt. Auch Marco Polo nutzte sie, der Begriff Seidenstraße wurde aber von dem deutschen Geografen von Richthofen geprägt.



Das Wahrzeichen der Festungsstadt Chiva mit seinen 18 Minaretten ist das unvollendete, blaue Minarett Kalta Minor. Es ist nur 29 Meter hoch, hätte eigentlich 70 - 80 m hoch werden sollen.



Über den Dächern und Kuppeln der komplett von einer Festungsmauer umgebenen Altstadt Chivas steht auch das höchste Minarett Usbekistans, das Islom Xo'ja-Minarett mit 44 Metern.

 
Frühmorgens und abends hat man Chiva fast für sich allein. Die Reisebusse sind noch nicht da oder schon wieder weg und man kann auf einer Dachterasse zu Abend essen und den Blick genießen. Allein das war jede Mühe dieser Reise wert.



Geht man auf der anderen Seite aus Chivas Altstadt wieder durchs Tor hinaus steht man auf dem Bazar, der auch einen Besuch wert ist. Allerdings ist es sehr schwierig Menschen zu fotografieren. Meistens bekomme ich auf meine diesbezügliche Frage eine abschlägige Antwort. Insbesondere Frauen wollen nicht fotografiert werden wie in vielen anderen muslimischen Ländern auch.



Eher schon lassen sich die Männer fotografieren wie dieser Fahrradflicker hinter dem Bazar an der Straße, der sich stolz präsentierte.



Von Chiva waren es dann nur etwa 450 km bis in die nächste Stadt an der Seidenstraße. Unterwegs viele erfolglose Tankversuche bis mir einer 20 Liter aus einem Kanister abschlaucht und zum Schwarzmarktpreis in den Tank füllt. Der ist immer noch deutlich niedriger als in Deutschland. Offiziell liegt der Spritpreis bei ca. 3500 Sum, was etwa 40 EuroCent entspricht.



In Buchara (auch Buxoro oder Bukhara), einer der ältesten Städte Mittelasiens fahre ich erstmal durch die kleinen Gassen der Altstadt bis ich endlich das nach außen unscheinbare und kleine Minzifa Hotel gefunden habe, dem man nachsagt eines der freundlichsten Häuser in Buchara zu sein. Es hat sich gelohnt, ich bekomme eine schönes Zimmer zum Innenhof, in dem man auch im Freien frühstückt. Die Gassen ins Zentrum sind nachts gespenstisch, aber gefährlich ist es hier nicht.



Der Stadtkern der 250.000 - Einwohner Stadt ist wie Chiva UNESCO Weltkulturerbe. Auch hier wird es abends ruhig, die meisten Touristen sind in den Hotels oder weiter gefahren. Ich  sitze lange auf dem Platz vor der Miri Arab Medrese, den abends die Kinder eingenommen haben und lasse diesen Eindruck auf mich einwirken. Ich habe eines meiner Traumziele erreicht!



Beeindruckend beschreibt diese Pracht nur sehr unzureichend.
Das Kalon Minarett ist das Wahrzeichen der Stadt, daneben eine der ältesten und größten Moscheen der islamischen Welt, die Moschee Kalon, 1514 von den Timuriden erbaut.



Aber auch ganz neuzeitliche Genüsse findet man bei einiger Suche in Bukhara hier im Cafe Wishbone. Hier war täglicher Besuch Pflicht und zwar zu der besten Engadiner Nusstorte östlich der Schweiz. Die usbekische Kuchenbäckerin war sichtlich stolz nach meinem mehr als berechtigten Lob.



Für die Oasenstadt Buchara sollte man sich schon ein paar Tage Zeit nehmen es lohnt sich in jeder Hinsicht. Aber Usbekistan hat ja noch mehr Städte an der Seidenstraße.



Als glanzvolles Antlitz der Erde bezeichnete Marco Polo Samarkand.
Eine Stadt wie aus 1001 Nacht. 2700 Jahre alt hat sie viele Herrscher gesehen. 329 von Alexander dem Großen eingenommen, aber auch die Truppen Dschingis Khans überstanden und unter Timur und seinen Enkeln zur wichtigsten Handelsstadt Mittelasiens gewachsen.



Der Registan Platz in Samarkand gilt als einer der prächtigsten Plätze Zentralasiens auch wenn er es nicht mit dem Platz des Imams in Isfahan aufnehmen kann.



Er ist von drei prächtigen Medresen umgeben und ist das Herz des antiken Samarkands.



Die Ulug'bek Madrasa galt im 15. Jhdt als eine der besten Universitäten der islamischen Welt.
Für umgerechnet 50 € Schmiergeld bietet mir ein Polizist ganz offen an, ich könne auf einen der eigentlich gesperrten Türme steigen und von oben fotografieren, als er meine Kamera sieht. Wir machen aber kein Geschäft.



Die Temperaturen sind in der immerhin 720 m hoch gelegenen 300.000 Einwohner- Stadt die in einer Flussoase liegt eher erträglich und so fällt es nicht schwer einige Tage hier zu verbringen und durch das alte Samarkand zu streifen.



Da gehört natürlich auch ein Besuch der Basare und Märkte dazu die ein großes Angebot an allen erdenklichen Genüssen bietet und so besteht auch keine Gefahr, daß ich zu leicht für mein Motorrad werde.



Außerdem habe ich mich im Antica Bed and Breakfast in Samarkand eingemietet. Als ich nach Mittag den Weg durch die Gassen gefunden habe werde ich gleich kulinarisch verwöhnt. Die Pension ist ein altes traditionelles Haus mit einem paradiesischen Innenhof, in dem ich das Motorrad parken kann.  Man sitzt zwischen Maulbeer- und Pfirsichbäumen. Eine der Besitzerinnen spricht perfekt deutsch. Sie erklärt mir jede Pflanze und wir unterhalten uns über Weltpolitik und die Usbekistans.



Mein Zimmer ist ein Traum, ein kleines Paradies ist das hier im symphatischen Wüstenstaat Usbekistan. Hier kann man es aushalten.



Zum Pamir Highway - Tadschikistan und Kirgistan




Ich habe das östliche Ende Usbekistans erreicht. Von Samarkand fahre ich ganz in den Süden bis Termiz. Fährt man über die "Brücke der Freundschaft" erreicht man nach50 km Masar e Scharif in Afghanistan und Kunduz ist nicht viel weiter. Natürlich sind die Grenzen für uns gesperrt.
Eigentlich ist die tadschikische Grenze gerade mal 50 km von Samarkand entfernt, aber dieser Grenzübergang ist geschlossen. Die Ausläufer des Pamirgebirges führen mich schon auf über 1800 m bevor ich wieder hinunter zum Amudarja fahre, der Usbekistan von Afghanistan trennt.



Am nächsten Tag stehe vor der tadschikischen Grenze. Außer mir will offenbar niemand hinüber und ich bin wieder einmal erstaunt wie gelassen und freundlich ich durch die Kontrollen gelotst werde. Während ich im Büro eines Grenzbeamten im Sessel sitze füllt der die Formulare aus und schaut nebenher einen amerikanischen Western im Fernsehen an, den er offenbar nicht versäumen möchte, also schaue ich ihn auch an. Trotzdem stehen nach einer Stunde alle notwendigen Stempel im Pass und ich darf weiterfahren.
Ich fahre in die tadschikische Hauptstadt Dushanbe, im Gegensatz zum Rest des Landes eine moderne Großstadt mit guten Straßen.



Hier beginnt die M 41, die später der legendäre Pamir Highway wird, aber erst mal muss ich wegen einer eingestürzten Brücke den südlichen Weg nehmen. Durch schöne Landschaften geht es schließlich wieder zur afghanischen Grenze.



Wieder bin am Grenzfluss zwischen Tadschikistan und Afghanistan.
Nichts trennt die beiden Länder als dieser Fluss, der hier noch der Amudarja ist, und dem ich schon in den Oasenstädten Usbekistans begegnet bin. Danach versickert er in der Wüste Usbekistans, während er früher in den Aralsee mündete, von dem heute nicht mehr viel übrig ist.



Ich werde mich mit ihm anfreunden müssen, denn ich werde ihm die nächsten 600 km folgen, immer einen Steinwurf von Afghanistan entfernt. Soldaten sehe ich außer an den Kontrollstellen mit Schlagbaum nie, aber sie sind zweifellos da.



Gleich über dem Fluss kann man manchmal fast in die Häuser auf der anderen Flußseite sehen. Immer wieder winken Kinder zu mir herüber, wenn ich mit dem Motorrad vorbeifahre.
Am Nachmittag erreiche ich überwiegend auf Pisten und nach einigen Wasserdurchfahren Khalaikum und finde sofort eine einfache Unterkunft, wo ich auch etwas zu Essen bekomme.



Früh fahre ich nächsten Morgen los, 250 km üble Piste liegen vor mir. Die Seitenflüsse führen viel Wasser und einige dieser Flüsse oder Bäche müssen durchfahren werden, was immer eine heikle Angelegenheit ist. Jedes Frühjahr müssen die Murenabgänge weggeschoben werden um genauso schnell wieder verschüttet zu werden. Jederzeit kann es zur Blockade der Strecke kommen, die oft tagelang andauert.



Ich bin jetzt am Panj (auch Pjandsch), einem der beiden Quellflüsse des Amudarja. Rechts des Panj liegt Afghanistan mit den ersten hohen Gipfeln des Hindukusch. Links liegt Tadschikistan mit dem Pamirgebirge vor mir.
Meine Durchschnittsgeschwindigkeit sinkt jetzt auf gerade mal gut 30 km/h.



Aber die Ausblicke sind faszinierend. Immer wieder tun sich neue Kulissen unter strahlend blauem Himmel auf und immer wieder muss ich anhalten um zu schauen und natürlich auch zu fotografieren. Man kann sich kaum satt sehen.



Nach rund 8 Stunden schlechter Piste komme ich im gut 2000 m hoch gelegenen Chorugh an. Mit 30.000 Einwohnern die Hauptstadt der autonomen Provinz Berg-Badachschan.



Ich suche die Pamir Lodge, etwas außerhalb von Chorugh, wo auch ein paar Radfahrer aus Neuseeland angekommen sind und wir trinken erst mal zusammen ihr Bier. Auch sie wollen über den Pamir - Respekt!  Ich bleibe 2 Tage hier, schaue mir alles an und entscheide mich für die Weiterfahrt durch den Wakhan Korridor. Außerdem läuft meine GS mit den Vergasern in dieser Höhe zu fett, sie stirbt gerne ab und läuft schlecht an. Also stelle ich die Vergaser noch auf die Höhe ein und sie läuft wieder wie gewohnt zuverlässig.



Der Wakhan Korridor ist eine Alternative zum eigentlichen Pamir Highway, der M41, die großteils geteert ist. Die Piste durch den Wakhan Korridor ist wenig befahren und man muss mit dem Visum eine Erlaubnis für das Befahren dieser Strecke einholen, die auch immer wieder kontrolliert wird.



Der eigentliche Wakhan Korridor (auch Wachankorridor) beginnt etwa 70 km hinter Chorugh im kleinen Ort Ishkashim auf 2800 m und führt weiter durchs Panjtal 300 km weit zwischen dem Hindukusch in Afghanistan und dem Pamir in Tadschikistan. Er endet im Osten an der chinesischen Grenze. Nur der untere Teil ab Ishkashim ist überhaupt befahrbar. Hier gibt es auch eine Brücke nach Afghanistan. Allerdings nur für Einheimische und seit einigen Wochen wegen akuteller Talibangefahr geschlossen.



Während dieser Strecke begleitet uns ununterbrochen Afghanistan mit seinen Dörfern und freundlich winkenden Menschen über dem Fluß.



Freundliche Gesichter in den wenigen kleinen Dörfern,  Jungs die versuchen abzuklatschen, was sicherlich manches Mal schmerzhaft für sie ist und große Hunde die es auf meine Beine abgesehen habe bleiben genauso in Erinnerung wie der (glücklicherweise erfolgreiche) Versuch konzentriert zu fahren und auf der manchmal einem Eiertanz gleichenden Fahrt nicht ungewollt abzusteigen.



Nach knapp 150 weiteren Kilometern windet sich hinter Kargush der gleichnamige teils steile Schotterpass auf über 3500 m hinauf. 
Die afghanische Grenze bleibt jetzt hinter mir.
Hier kommt mir der Fahrer dieses UAZ entgegen, der sein Fahrzeug mühsam schiebt. Ich lasse einen Liter Sprit aus meinem Tank ab und damit kommt er gerade noch über den Pass, meint er.



Ich habe Gesellschaft bekommen!
Ismael ist mit seiner Yamaha XT aus Spanien über den Iran und Turkmenistan hierher gefahren. Wir hatten uns schon in Chorugh getroffen und da hat er mir seine Bilder gezeigt, als er seine XT in einer der Flußdurchfahrten versenkt hatte. Allein bekam er sie nicht mehr heraus. Einheimische halfen ihm und waren hinterher genauso nass wie er.

Wir hatten uns vor Ishkashim wieder getroffen und entschieden gemeinsam weiter zu fahren.



Wir sind auf etwa 3500 m Meereshöhe "hinaufgeklettert" und endgültig auf dem "Dach der Welt" angekommen. Der vor uns liegende Teil des Pamir Highways ist die zweithöchst gelegene Fernstraße der Welt (nach dem Karakorum Highway). Die nächsten beiden Tage werden wir nicht mehr unter 3500 m kommen.



Ismael, der sich nicht nur als sehr versierter sondern auch als flotter Fahrer herausgestellt hat steht dann doch irgendwann auf der Straße und meint "Werner, we habe a problem". Wir hatten schon im Tal etwas Luft aus den Reifen gelassen, um den Eiertanz auf den Schotterpisten etwas fahrbarer zu machen. Die Yamaha mit ihren Schlauchreifen schlug dann irgendwann durch, die Felge hatte eine deutliche Delle und die Luft war raus. Die schlauchlosen Reifen der GS sind da wesentlich unproblematischer und selbst Durchschläge führen nicht zwangsläufig zum Luftverlust.

 
Wir lösten das Problem an Ort und Stelle und da sowieso die nächsten 200 km mit keiner Unterkunft zu rechnen ist schlagen wir die Zelte auf. Zuerst wird eine neuer Schlauch eingezogen, danach gekocht. Am nächsten Morgen erwarten wir sehnsüchtig die ersten Sonnenstrahlen, die Wärem bringen. Nachts war es mit den leichten Schlafsäcken doch ziemlich frisch und nicht sehr gemütlich. Heißer Tee und ein paar Kekse zum Frühstück sind ein guter Start in den Tag.


Wir fahren über das Dach der Welt.
Pamir ist ein persisches Wort und bedeutet "Dach der Welt", auch wenn dieser Begriff heute auch für andere hohe Bergregionen wie etwa Tibet verwendet wird. Und wir haben Glück, die meiste Zeit ist blauer Himmel nur ein paar Mal fallen Schneeflocken, für Regen ist es zu kalt.



Heute fahren wir auf über 4000 m hoch und sind dennoch immer von viel höheren Bergen umgeben. Der höchste Gipfel des Pamir ist der in China gelegene Kongur mit 7649 m. Wenige km Luftlinie südlich haben wir den Hindukusch in Afghanistan hinter uns gelassen und fahren jetzt parallel zum höchsten Gebirge der Welt, dem Karakorum. Gleich südlich des schmalen afghanischen Streifens liegt Pakistan keine 100 km Luftlinie von uns entfernt.   



Nach rund 100 km treffen wir wieder auf die besser ausgebaute M41 und jetzt kommen gelegentlich auch wieder andere Fahrzeuge entgegen. Yaks und Schafe, aber auch viele Langschwanz Murmeltiere tummeln sich entlang der Strecke.



Die Jungs, die hier auf 4000 m die Tiere hüten, verhüllen sich das Gesicht mit Tüchern. Sonnenbrillen haben sie keine und so schützen sie sich notdürftig gegen die extreme Sonnenstrahlung.



Wir erreichen nach 200 km wieder mal einen Ort. Murgab hat etwa 7000 Einwohner und liegt auf 3600 m Höhe. Es gbit hier sogar ein einfaches Hotel. Immerhin ist abends der Magen voll und selbst ein kühles Bier fehlt nicht. Irgendwann geht dann das Licht aus, denn es gibt keine Stromversorgung, auch wenn Strommasten vorhanden sind. Natürlich auch kein Internet, aber  eine sparsame, aber immerhin warme Dusche und ein deftiges Frühstück.



Wir füllen noch unsere Spritfässer und auch ein LKW-Tank nebenan wird mit Benzin gefüllt. Man erklärt mir daß die Diesel im Winter nicht laufen und deshalb alle Autos Benzinmotoren hätten. Gleich ein Stück weiter am Yashikul See wurde der zentralasiatische Kälterekord gemessen. Das waren - 63 Grad Celsius. Da ist es heute wesentlich gemütlicher.



Der zweite Tag über den Pamir führt uns über sehr unangenehme Wellblechpisten. Auch mit 80 ist es unmöglich "darüber" zu fahren, wie dies normalerweise gut funktioniert. Ich muss jedesmal mit aller Kraft den Lenker festhalten, damit er mir nicht aus der Hand fliegt. Daß sich das Motorrad nicht auflöst, wundert mich. Jedesmal endet das mit etwa 20 km/h und der Suche kreuz und quer auf der breiten Piste nach akzeptableren Verhältnissen. Die Yamaha mit der Kette ist hier gegenüber dem Kardanantrieb definitiv im Vorteil.



Heute steht uns mit 4655 m Höhenmetern quasi das Highlight de Pamir Highway bevor. Etwa so hoch wie der zweithöchste Alpengipfel ist dieser Pass, auch wenn das Schild deutlich unterhalb der Passhöhe steht.
Erstaunlich wie mühelos der 25 Jahre alte 50 PS BMW Boxermotor mit seinen Vergasern die Höhe erklimmt. Selbst im 4. Gang ist noch genügend Zug vorhanden und wir können es wenn uns Wellblech oder Sandpassagen nicht gerade bremst ordentlich laufen lassen.



Zwischen mehreren Pässen über der 4000 m Marke taucht dann irgendwann der Karakol-See auf. Viele Kilometer hat uns schon der chinesische Grenzzaun begleitet, der gleich neben der Straße verläuft. Etwas über 4000 m hoch vor der imposanten Kulisse des Pik Lenin Massivs mit über 7000 m liegt dieser abflusslose See, immerhin mehr als halb so groß wie der Bodensee.



Der Zustand der Piste hat sich zwischenzeitlich wieder deutlich verschlechtert und klettert auf den letzten Pass, den Kyzyl-Art Pass auf 4350 m hinauf, als kurz vorher plätzlich einsam im Niemandsland einige Baracken auftauchen. Es ist die tadschikische Grenze, über die Geschichten von sturzbetrunkenen Grenzern kursieren. Die Strecek ist selbst zwischen den Baracken so schlecht, daß sich ein Geländewagen empfhielt. Wir stehen etwas ratlos vor der Schranke, kein Mensch weit und breit.



Wir gehen zu Fuss in ein Büro, alles ist unkompliziert, wir öffnen die Schranke schließlich selbst, fahren durch und schließen sie wieder. Erst 30 km weiter kommt die kirgische Grenzstation. Hier ist wirklich Niemandsland. Kurz später stehen wir am Kyzyl-Art Pass und nun geht es Richtung Kirigstan wieder bergab.



An der kirgisischen Grenze dann dasselbe Gespräch wie an allen Grenzen. Woher wir kommen. Ich sag immer nicht weit von München, weil das jeder kennt. Besser gesagt die Fußballmanschaft von Bayern München. Ismael kommt aus Barcelona, sofort fallen die Namen der Spieler von Barcelona und München, die kennt hier jeder. Stress gibt es an der Grenze nie. Hier sind wir sowieso die einzigen Grenzgänger.



Wir haben den Eindruck in eine andere Welt zu fahren. Es ist grün, Wiesen neben der Straße und dann ein quergestelltes Pferd, vorne und hinten von zwei Jungs festgehalten. Die erste Straßensperre in Kirigstan. Wir halten und gleich ist die ganze Familie da. Wir könnten ja auch auf das Pferd sitzen, meines sie. Ohne Sattel könnte das vielleich in die Hose gehen, also lieber nicht.



Und in die Jurte sollen wir doch kommen, ob die Eltern der Kinder das auch so sehen, wissen wir nicht. Jedenfalls sind meine Bonbons sehr gefragt und wir dürfen ohne weitere Sanktionen weiterfahren.



An der Gabelung, an  der es auch zum Pik Lenin Basecamp geht halten wir an um uns zu orientieren, sind auch gleich von Kindern und Erwachsenen umringt, die auch ungefragt aufs Motorrad sitzen und sich dabei fotografieren.



Hier in dem 2000 Seelen Dorf  Sarytasch auf 3170 m Höhe gibt es einige homestays und das "Hotel Tatina" mit Wifi (!), das auf uns den besten Eindruck macht.



Der stolze Besitzer führt uns zur Toilette, dazu trägt man am besten die Motorradstiefel, es geht an der einzigen Kuh vorbei und seine Dusche im Stall. Auf Letztere verzichten wir aber heute schließlich gabs nicht viel zu schwitzen, dennoch eine empfehlenswerte und freundliche Adresse.
Abends kommen vom GS Club München noch einige GS Fahrer, die über Pakistan und heute von der nahen chinesischen Grenze gekommen sind. Es gibt viel zu erzählen.



Und, fast hätte ich es vergessen es gibt auch fließend Wasser, sofern man vorher den vollen Eimer eingefüllt hat und man kann sich also waschen. Im Haus gibts kein fließendes Wasser. Uns wird wieder mal bewußt, daß nicht alles was für uns selbstverständlich ist wirklich selbstverständlich ist.



Im günstigen Preis von umgerechnet 12 Dollar ist auch das authentische Abendessen und das Frühstück enthalten, nebenan wird der kleine Laden extra für uns aufgeschlossen und da gibts ein kühles Bier.
Aber vor allem der Blick auf die 6- und 7000-er des Pamir, auch wenn die Sicht nicht perfekt ist genießen wir inclusive und das ist schon einfach traumhaft.



Wir lassen den Pamir hinter uns, ich habe mein zweites großes Ziel erreicht, es hat sich gelohnt. Die Eindrücke und die entspannte Fahrt zusammen mit Ismael werde ich nie vergessen.

Hier sind die Straßen perfekt, es scheint wirklich eine andere Welt zu sein. Wir fahren Richtung Osch in Kirigstan noch einmal über einen Paß mit gerade mal 3550 m, immerhin ist der Schnee von heute nacht wieder weg.



Dahinter grüne Landschaften



und Schafherden



die von ihren berittenen Schafhirten über die Straße getrieben werden.



In Osch, im Nordosten des Altaigebirges und am Rand des Ferganatals holt uns die Zivilisation wieder ein. Wir kämpfen uns erst mal durch den endlosen Stau der 250.000 Einwohner Stadt zu unserem Guesthouse.



Wir bleiben drei Tage hier, erholen uns ein bisschen und ich schlendere mit der Kamera wieder mal durch die hintersten Gassen und Winkel der zweitgrößten Stadt Kirgistans.



Außerdem statten wir der Werkstatt von MUZTOO einen Besuch ab. Die MUZTOO Motorbike Travel Company des Schweizers Urs bietet eine Vielzahl interessanter Touren mit Mietmotorrädern in Zentralasien an. Man kann auch direkt bei ihm Motorräder oder Geländewagen mieten oder sich in seiner Werkstatt hier helfen lassen oder neue Reifen besorgen. Er hilft auch im Pannenfall. Ein sehr symphatisches Unternehmen. Ismael bekommt einen Satz neuer Reifen und an meiner GS schwitzt der Öldruckschalter den wir hier einfach stilllegen.



Von Osch wollen wir zum Issyk Kul und weiter nach Bishkek in Kasachstan.
Leider verlieren wir uns hinter Osch und ich fahre erst mal 30 km in die falsche Richtung. Ich merke es erst, als ich dort ankomme wo uns drei Tage zuvor ein paar uniformierte Halunken 300 Dollar abnehmen wollten.
Das ist leider nicht selten. Man wird von einem Uniformierten angehalten und wegen angeblichen Geschwindigkeitsverstoßes mit willkürlichen Beträgen erpresst, nachdem dieser die Papiere verlangt hat. Ist mir nach Tadschikistan bei Dushanbe nun auch vor Osh so ergangen.
Das sind Gauner in Polizeiuniform die das Geld in die eigene Tasche stecken, denn die korrekten Tarife liegen im einstelligen Dollarbereich. Mit viel Geduld, Verhandlung und trotzdem Freundlichkeit können wir schließlich auf 25 Dollar herunterhandeln.



Das ist leider keine Werbung für diese Länder.
Dabei ist natürlich der Ärger größer als der Schaden und da helfen auch die schönen Landschaften nicht den so schnell hinunter zu schlucken.
Unterhält man sich mit Einheimischen, stellt man schnell fest, daß dieses korrupte Verhalten sich durch alle staatlichen Organe zieht.



Nachdem ich zurück gefahren bin wühle ich mich erst mal durch ein völliges Verkehrschaos in Dschalalabat, wo gerade Markttag ist. Ich bin nun weit hinter Ismael, der annimmt ich sei vor ihm.



Gegen Abend klappere ich alle Hotels an der Strecke ab und im allerletzten, gerade wird es dunkel finde ich sein Motorrad.



Am nächsten Tag treffen wir unterwegs Dastan mit seiner nagelneuen  BMW   F 800 GS. Er ist Kasache und sei das erste mal in Kirgistan. Wir unterhalten uns eine Weil mit ihm und dann erklärt er uns daß die Motorradfahrer in Kasachstan wie eine große Familie seien. Er gibt uns seine Telefonnummer und versichert und wenn wir irgend ein Problem in Kasachstan hätten sollen wir ihn anrufen, er werde uns helfen. Wir sind beeindruckt.



Wir biegen schließlich rechts ab in Richtung Karakol See und finden uns schnell auf einer jämmerlichen Piste mit viel Staub, Dreck und Wellblech wieder um 80 km weiter auf eine nagelneue mehrspurige geteerte Straße zu kommen, die direkt von Dschalalabat her kommt. Offenbar kannte weder Karte noch Navi diese neue Straße.


Nachdem wir gestern noch auf über 3000 m waren geht es nun allmählich hinunter auf 1800 m, im Hintergrund sieht man im Regendunst gerade noch die Gipfel des Tienschan mit über 7000 m. Gleich dahinter liegt die Taklamakan Wüste in China.



Schließlich erreichen wir Karakol am Issyk Kul. Im Hintergrund leuchten jetzt die Gipfel des Tienschan bereits in China. Wir sind auch hier nur 150 km von der chinesischen Grenze entfernt. Ich habe mir leider den Magen verdorben was meinen Aktionsradius minimiert.

 
Die Tankstelle, an der wir noch unsere Vorräte auffüllen, stand zweifellos schon mal in Deutschland. Angeblich ist auch noch Super unverbleit ROZ 96 drin. Vor allem aber kostet der Sprit hier nur gerade mal halb so viel wie bei uns zu Hause.



Heute war unser letzter gemeinsamer Tag. Während ich den Issyk Kul noch umrunden wollte um weiter nach Bishkek zu fahren, hatte sich mein Freund Ismael dazu durchgerungen den Heimweg anzutreten. Er war über Kasachstan Russland, Moskau, die baltischen Staaten ohne Pause nach Hause gefahren. Von der russischen Grenze bis zum Mittelmeer im Regen!



Wieder ohne die sympathische Gesellschaft meines spanischen Freundes ließ ich es mir erst mal in der kirgisischen Hauptstadt mit ihren knapp 1 Mio Einwohner gut gehen. Hier gibt es alle Annehmlichkeiten, auch das vermutlich beste italienische Restaurant Kirgistans, das ich sehr empfehlen kann!



Für den Namen Bishkek gibt es viele Deutungen, eine davon sagt es sei ein altes Wort für "Ort unterhalb der Berge". Als ich am Morgen Bishkek in Richtung Kasachstan verlasse wird dies einleuchtend.

 
Ich hatte mir einige Bedenkzeit genommen mit der Entscheidung weiter zu fahren oder nicht. Meine Ziele Seidenstrasse und Pamir Highway hatte ich erreicht. Bis Irkutsk lagen 4000 km vor mir, die wenig Herausforderung waren. Von Irkutsk bis nach Ulaanbaatar in der Mongolei sind es nochmal gut 1000 km. Nur 1000 km mehr wären es bis nach Hause gewesen.
Ich sollte es nicht bereuen.



Dabei war es nicht nur die Weite, die Ebenen und die unendlich geraden Straßen die mich vorwärts getrieben haben, auch die Hoffnung auf besseres Essen...



was nur in den größeren Städten zu finden war war ein driftiger Grund.



Und so unterschiedlich wie die Straßen die sich durch dieses immer flache und über weite Strecken baumlose Sibirien zogen,



überwiegend in gutem oder relativ gutem Zustand, meist auch befestigt,



so unterschiedlich waren schöne gepflegte und sehr sehenswerte Städte,



die im krassen Widerspruch zu den abseits gelegenen Dörfern standen, in denen die Zeit stehen geblieben zu sein schien.



Über Almaty, Semei (Semipalatinsk), Barnaul und Krasnojarsk in einem großen Bogen führt die im Grunde einzige Straßenverbindung nach Irkutsk, das hier noch 1594 km entfernt ist. An diesem Tag war einmal nachtanken angesagt, am Abend war es eine Tagesetappe von 1060 km. Autobahnen gibt es hier keine, die Höchstgeschwindigkeit beträgt 90 km/h.



Die moderne Millionenstadt Krasnojarsk liegt am Jenissei und an der Strecke der Transsibirischen Eisenbahn. Sie ist gleichzeitig auch die drittgrößte Stadt Sibiriens und einen Besuch wert.



Unterkünfte in allen Preisklassen, Kaffee auch auf der Straße und gar nicht mal schlecht und selbstverständlich kann man hier auch gut essen. Wer außerdem glaubt in Sibirien sei es im Sommer kalt, täuscht sich. Mein Thermometer zeigte mehrmals in den vergangenen Tagen knapp 40 Grad.

Demnächst geht es weiter zum Baikalsee und in die Mongolei.