Allgäu und der Rest der Welt

Wir waren 4 Wochen unterwegs und haben dabei knapp 12.000 km zurück gelegt (die Fährstrecken natürlich nicht eingerechnet).
Die Motorräder waren alle auf dem bewährten Conti TKC unterwegs, der die Strecke wie auch schon im Kaukasus gut überstanden hat. Da wir die Streckenverhätlnisse nicht genau kannten, wollten wir mit dem Profil auf der sicheren Seite sein, der Tourance hätte aber vollkommen gereicht.
Außer einem Platten (Yamaha mit den Schlauchreifen), ein paar verlorenen Schrauben hatten wir keine Panne.
Lothar hat wahrscheinlich ungefähr so viel Kettenfett auf seine Kette gesprüht wie ich Öl in meinen Boxermotor gekippt habe. Das waren auf den ganzen 12000 km gerade mal 1 Liter.  
Bilder habe ich über 3000 gemacht, alle Personenaufnahmen sind erst entstanden, nachdem ich die Erlaubnis des Objekts meiner fotografischen Begierde eingeholt hatte.

Ein Vortrag ist in Arbeit.


Die nachfolgenden Infos habe ich nach bestem Wissen und dem Stand Frühjahr 2009 zusammengestellt. 

Vorbereitungen

Ich habe seit 2008 alle erdenklichen Infos gesammelt, Dokus angesehen und  viele Bücher gelesen. Z.B. Shirin Ebadi/Mein Iran; Gronke, Geschichte Irans; diverse meines Lieblingsautors Peter Scholl-Latour;  Elliot/Persien-Gottes vergessener Garten; Prasske, Mögen deine Hände niemals schmerzen sind nur einige.
Bei den Reiseführern haben wir uns für den Lonely Planet (englisch) und den RKH, Iran entschieden, die sich ganz gut ergänzen. Der RKH hat viel Hintergrundwissen und akutellere Hotelempfehlungen, der LP ist vollständiger aber knapper geschrieben.
Wir hatten die RKH Karte dabei, die überwiegend genau war. Einige Straßen fehlten oder waren falsch eingezeichnet.
Natürlich waren einige Foren hilfreich wie Motorradkarawane oder Lonely Planet etc.
Für die Einreisebestimmungen hilft wie immer das Auswärtige Amt Allgemeine Infos gibt es im Internet jede Menge, gute und weniger gute. Eine offizielle Touristeninfo unterhält der Iran in Deutschland nicht.
Wir haben gute Erfahrungen mit Pars Tourist Agency in Shiraz gemacht. Frau Samira Zarei spricht perfekt deutsch oder englisch und ist sehr flexibel. Sie hat auch unser Visum organisiert. 


Papiere

Was 2009 notwendig war in Kürze:

6 Monate gültiger Pass mit Visum
kann man sich organisieren lassen incl. der nicht zwingend erforderlichen Referenznummer, sollte man spätestens 8 Wochen vor der Reise in Angriff nehmen. Aktuelle Visa - Beschaffer findet man außerdem im Internet. Kosten ca. 60 - 100  €.

Carnet de Passage
ist für den Iran zwingend erforderlich, wenn man mit eigenem Fahrzeug einreist.
Erhältlich beim ADAC oder anderen Automobilclubs für 150 bzw. 250 € (Mitglieder/Nichtmitglieder). Dazu stellt man eine Kaution oder braucht eine Bankbürgschaft über 2000€. Hinterher Vorführung beim Zoll vor Ort.

Internationaler Fahrzeugschein und Führerschein,
den aber niemand, weder an der Grenze noch im Landesinneren sehen wollte. Die Polizei verlangte immer nur "Papiere" und erhielt den nationalen, den sie vermutlich nicht lesen konnten.

Auslandskrankenversicherung
natürlich selbstverständlich, wollte allerdings auch niemand sehen. Aber an der Grenze wurden wir einem Arzt vorgeführt, der viele Fragen stellte, die wir aber überwiegend nicht deuten konnten. Damit war er dann auch zufrieden und trug alles akribisch in ein Buch ein.

Kfz - Versicherung mit Gültigkeit im Iran,
kann notfalls an der Grenze abgeschlossen werden, wurde nie kontrolliert. In Deutschland bietet m.W. nur die DEVK einen Einschluss des Iran an. 
Um zu wechseln sollte man aber spätestens bis 30. November des Vorjahres dran denken, denn unter'm Jahr kann man nicht in eine andere Versicherung wechseln. Andere bieten den Iran auch nicht gegen Aufpreis an.

Schutzbrief für das Fahrzeug mit Weltgeltung
bietet nach meiner Kenntnis nur Allianz und ARAG. Nicht zwingend aber beruhigend. Haben wir nicht gebraucht. 

Immer wieder ist zu lesen, daß ab einem gewissen Aufenthaltsdauer ein nationales Kennzeichen erforderlich ist. Wir konnten das nicht verifizieren, es hab aber niemand kontrolliert oder darüber Bescheid gewußt.


Anreise

wir haben es zum wiederholten mal vorgezogen in die Türkei mit der Fähre ab Ancona zu fahren. Ist bequem und dauert 2 1/2 Tage. Es gibt nur eine Linie, die Marmara Lines. Alternativ kann man auch Venedig - Igoumenitsa fahren, etwas weiter zu fahren, dafür besseres "Preis-Leistungsverhältnis".

Für die Türkei ist eine Kfz Versicherung mit Gültigkeit Türkei erforderlich was an der Grenze auch kontrolliert wird. Manche Versicherer verlangen dafür einen Aufpreis, bei der DEVK war das ebenfalls inclusive.


Grenze Türkei/Iran

hier warten die Schlepper im ersten Gebäude und bieten ihre effektiven Dienste an. Man hat erst mal den Eindruck, das seien Offizielle. Sie bieten Geldwechsel an und da sollte man schon den Kurs kennen, sonst wird man abgezockt. Besser im Grenzgebäude wechseln, hier gibts offiziellen Kurs.
Die Formalitäten dauerten ca. 2 Stunden mit Schlepper auf der türkischen Seite. Im Iran wird einem eher geholfen, da nicht erkennbar ist, in welcher Reihenfolge man wohin muss. Der Grenzbeamte begrüßte uns freundlich und herzlich mit Handschlag. Geschmiert haben wir nirgends und das war auch nicht erforderlich, bei einem Einheimischen hatte ich aber Gelegenheit, die flotte Geldübergabe in die Hosentasche des Grenzers zu beobachten.


Verhalten

Es ist für uns in jedem Reiseland selbstverständlich uns mit den gebotenen Verhaltensweisen zu beschäftigen und ebenso selbstverständlich daß wir uns danach richten wie wir das umgekehrt von Touristen in Deutschland auch erwarten. Das ist ein Gebot der Höflichkeit als Gast in einem fremden Land.

Die Iraner sind ausgesprochen höflich, was lediglich im täglichen Gewühl des Straßenverkehrs mal untergeht. Meist wurden wir per Handschlag und einem Gruß begrüßt, auch von den kontrollierenden Polizisten oder an der Grenze.

Bei der Kleidung sind Männer relativ uneingeschränkt. Auch T-Shirt, Jeans sind üblich, aber keine kurzen Hosen oder freier Oberkörper.
Frauen müssen keinen Schleier, aber mindestens ein Kopftuch tragen, welches die Haare vollsätndig bedeckt, auch wenn viele Kopftücher auch mal eine Handbreit nach hinten rutschen. Schwarz muss dabei nicht sein. Zwischenzeitlich sieht man auch körperbetonte Kleidung und Jeans bei jungen Frauen, was eigentlich nicht erlaubt bwz. unerwünscht ist. 

Sprache
Im Iran werden neben farsi (persisch) in einigen Regionen auch kurdisch oder türkisch gesprochen. Ein paar Kenntnisse farsi sind sicher empfehlenswert, zum lernen eignet sich aus dem RKH Verlag Kauderwelsch persisch ganz gut, zum nachschlagen der kleine Langenscheidt.

Geschenke sollte man nicht gleich annehmen. Im Iran ist es üblich solche Angebote wenigstens drei mal abzulehnen. Wird das Angebot dann auch noch aufrecht erhalten, war es auch so gemeint, ein für uns ungewöhnliches Höflichkeitsritual, welches mir allerdings im Rückgang zu sein schien.

Es empfiehlt sich auf jeden Fall die einschlägigen Kapitel in den Reiseführern zu studieren, wie z.B. im RKH Iran Reiseführer.



Verkehr und Straßen

Zum Verkehr zitiere ich einen türkischen Tankwart in Dogubayazit, der meinte: "turkish drivers are crazy, but iranians are mad" . Vor allem am Freitag, dem iranischen Sonntag, wenn die braven Iraner alle zum Landausflug streben steigt die Chance sich unter einem der Paykans wieder zu finden ins scheinbar unermessliche. Besser meiden, wir habens überlebt. In den Städten zur rush hour und oft auch sonst das absolute Chaos, gefahren wird wo Platz ist, gekämpft wird um jeden Zentimeter, das geht nicht immer ohne Feindkontakt.

Umgekehrt sieht es mit den iranischen Straßen aus. Die sind überwiegend in einem guten Zustand. Teils mehrspurig. Praktisch alle Hauptstraßen sind befestigt, Naturstraßen nur sehr abseits.

Die von uns verwendete Straßenkarte aus dem RKH Verlag hat den Vorteil, daß sie wasserfest und reißfest ist. Überwiegend war sie sehr genau, manche kleinere Straße war allerdings falsch oder gar nicht eingezeichnet. GPS Hilfe zur Standortbestimmung hat uns manchesmal weiter geholfen (die RKH Karte gibt es auch digital für GPS).
 

 
Tanken

war unkompliziert. Man benötigt auch keine Chipkarte o.ä. wie teil zu lesen ist. An fast allen Tankstellen bekamen wir problemlos Benzin. Der Tankwart schiebt seine Karte in die Tanksäule und fertig. Der Liter kostet immer 4000 Rial, nicht mehr, egal was die Säule anzeigt. Die Iraner habe eigene Chipkarten und bezahlen wesentlich weniger. Immer hinter den PKW anstellen, dann erwischt man nicht versehentlich Diesel (das nur LKW nutzen).


Geld 

für die Reise muss man alles bar mitführen. Es gibt keine Bancomaten, weder für EC- noch für Kreditkarten. Nur ganz wenige große internationale Hotels akzeptieren Kreditkarten (am ehesten Visa). Bezahlen kann man in größeren Hotels mit Euro oder Dollar und diese dort auch in Landeswährung zum normalen Kurs wechseln. Eine Bank zu finden, die zum Wechseln lizensiert ist, kann sehr schwierig sein. Wir haben keine gefunden und nur noch in Hotels gewechselt.


Sprache

englisch ist zwar einigermaßen verbreitet, oft aber in äußerst rudimentärer Form, letztlich kommt man aber damit immer irgendwie durch. Ein paar Worte farsi (persisch) helfen und die Iraner freuen sich. In Hotels ist Englisch kein Problem. Selten wird man auch mal auf Deutsch angesprochen.


Essen und Trinken

Der Iran ist kein Land für Vegetarier, Achtung ! Verhungern droht. Zumindest wenn man nicht privat eingeladen ist. An der Straße gibt es folgende Auswahl: Spieß vom Huhn, Schaf oder Rind mit Reis und Brot, mit oder ohne Tomaten. Alles von schwarz bis nicht gar, dann sollte man vorsichtig sein. Gelegentlich Fisch. Nach drei Tagen hat man alle Varianten durch. Größere Auswahl gibts in größeren Restaurants und Hotels.

Und natürlich gilt strengstes Alkoholverbot. Alkohol gibt es nicht zu kaufen (zumindest findet man ihn als Tourist nicht), wer sich daran nicht hält, für den setzt's Peitschenhiebe.
Preise sind, egal wo, moderat. An der Straße kamen wir mit umgerechnet 10-15€ zu dritt mit Getränken normalerweise aus.


Übernachten

Nicht überall finden sich Hotels. In den großen Städten ist es aber kein Problem ein Hotel zu finden, meist von indiskutabel bis luxuriös oder zumindest gutem Standard auch nach westeuropäsichen Maßstäben.
Über die Lage der Hotels sollte man sich vorher schlau machen sofern man keine größeren Städte ansteuert.
Voraus zu buchen war zu unserer Reisezeit überflüssig, kein Hotel war annähernd voll, da der Tourismus im Iran derzeit am Boden ist.

Wir haben am Straßenrand auch am Rand großer Städte oft direkt an der Straße auch einzelne oder ganze Ansammlungen von Zelten gesehen. Zelten kann man offenbar so ziemlich überall, im Zweifelsfall sollte man vorher fragen.

Wir haben im 5-Sterne Felsen-Hotel in Kandovan für die Suite mit Pool letzlich etwas über 200 US$ bezahlt für 3 Personen. Das Hotel ist in den relativ weichen Fels geschlagen wie Göreme in der Türkei. Dieses Haus können wir durchaus empfehlen, man findet in Kandovan aber im Dorf private und durchaus saubere allerdings sehr einfach Unterkünfte für ein paar Dollar.

In Shiraz können wir das Eramhotel in der Zand-Straße, welches uns Samira Zarei gebucht hat durchaus empfehlen. Es hat Garage, zentrale Lage, internationalen Standard, freundliches Personal und liegt bei ca. 30US$ für's Doppelzimmer. 

In der Wüstenstadt Yazd haben wir das überall empfohlene Backpackerhotel
Silk Road Hotel aufgesucht, welches in einer schmalen Gasse liegt. Es ist ein tradioneller Lehmbau, also durchaus etwas rustikal, aber sauber. Sehr freundliches Personal, lockere Atmosphäre und zentrale Lage. DZ ca. 30 US$.
Zum Abendessen kann man ins benachbarte Partnerhotel Hotel Orient auf die Dachterasse, wo man einen schönen Blick über die Dächer von Yazd hat.

Wer sich was gönnen möchte, sollte in Isfahan das Hotel Abbasi aufsuchen. Das DZ liegt bei ca. 150 US$, ist es aber wert, wir haben dort leider nur zu Abend gegessen und würden unser Hotel dort auch nicht empfehlen, da diesem staatlichen Hotel ein guter Service abging.

In der heißen Stadt Ahvaz haben wir in dem Business Hotel Oxin ein gepflegtes und vor allem schön gekühltes Hotel mit gutem Restaurant gefunden. Das Personal war sehr freundlich und flexibel. Da kein Dreibettzimmer zur Verfügung stand wurde uns kurzerhand ein drittes Bett ins Zimmer gestellt. Preis lag bei etwa 80 US$. Mit Innenhof.

Etwa 8km östlich von Astara am Kaspischen Meer das luxuriöse Espinas Hotel in sehr schöner ruhiger Lage. Ein Ort zum Entspannen mit einem schönen typischen persischen Garten. Hans war mit seiner Truppe einen Tag vor uns dort und hatte es uns empfohlen. Wir bekamen vom Hotelmanager mit 90 US$ für alle Drei einen "special Price for special guests" und würden sofort wieder dort übernachten. Sehr freundliches Personal.

In Chalus am Kaspischen Meer fanden wir mit polizeilicher Hilfe das Hotel Malek, allerdings trübten die Baumaßnahmen das Bild ein wenig und das Zimmer war bestenfalls durchschnittlich. Im Hotel gibt es aber offenbar auch sehr schöne Zimmer, der Innenhof ist sehr schön und lädt an einer der Bars zum Verweilen ein, das Personal freundlich, geschlossener Innenhof, Internet, ca. 20 US$

Wer in Damavand eine Übernachtungsgelegenheit sucht, sollte im Restaurant gleich etwas oberhalb des großen Brunnens auf der Straße nachfragen. Der Restaurantbesitzer hat auch ein paar Zimmer für ein paar Dollar. Die Zimmer waren sauber, Essen war auch o.k., Die Bettwäsche war allerdings nicht jungfräulich. Parken auf dem Gehweg vor dem Haus.

In Sanandaj haben wir wieder einmal festgestellt, daß das Befragen von Einheimischen nicht zuverlässig ist. Wir wurden ziemlich lange durch die Stadt gelotst. Den Lotse nahm ich hinten aufs Motorrad. Er hat zwar alle möglichen Leute gegrüßt, aber wo das Hotel war, wußte er nicht. Nach einer Stunde sind wir mit Hilfe eines Deutsch-Iraners, der uns zufällig gesehen hat ins ordentliche und saubere Shadi Hotel am südlichen Stadtrand Richtung Flughafen eingelaufen.

In allen genannten Hotels waren Klimaanlagen Standard.


Menschen

Die Iranerinnen und Iraner waren die positivst Überraschung im Iran.
Wir haben keine unfreundlichen Menschen getroffen.
Frauen tragen immer wenigstens ein Kopftuch, die Haare müssen vollständig bedeckt sein. Leicht ist man da geneigt, von der optischen Erscheinung auf die Einstellung zu schließen. Da wurden wir viele Male vom Gegenteil überzeugt.
Wir haben weit überwiegend uns offen und kritisch, aber immer freundlich gegenübertretende Frauen und Männer getroffen, die sich immer wieder mit uns unterhalten wollten oder uns einfach mit "welcome in Iran" begrüßten und ihre Freude darüber zum Ausdruck brachten, daß Touristen ihr schönes Land besuchen. Nirgends ist man uns unfreundlich gegenübergetreten, nirgends wurden wir mit fanatischen oder extremistischen Menschen oder Ansichten konfrontiert. Am Verhalten der Iraner uns doch relativ fremden Menschen gegenüber könnten sich viele westlichen Ländern und viele ihrer Bewohner ein Beispiel nehmen.
Es ist für uns in jedem Reiseland aber auch selbstverständlich uns mit den gebotenen Verhaltensweisen zu beschäftigen und ebenso selbstverständlich daß wir uns danach richten wie wir das umgekehrt von Touristen in Deutschland auch erwarten. Das ist ein Gebot der Höflichkeit als Gast in einem fremden Land.



Fotografieren

macht im Iran richtig Spaß. Wir wurden oft gebeten, ein Foto von jemand zu machen, obwohl derjenige das Bild ja gar nicht bekommen konnte. Alle Fotografierten wurden von uns immer vorher um Erlaubnis gefragt, was praktisch nie abgelehnt wurde.
Umgekehrt fotografieren auch die Iraner bei jeder Gelegenheit und auch aus fahrenden Autos heraus wurden wir oft fotografiert oder gefilmt, meist mit Fotohandys.




... wahrscheinlich fehlen noch einige Infos, fällt mir was ein ergänze ich es hier, andernfalls gerne:  Wer dringend Infos möchte, bitte mailen.